Paulas Nachrichten

Glück auf Knopfdruck: Junge Leute arbeiten als "Zeichenautomat"

17.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eine Maschine, die glücklich macht – das wäre doch was. So eine Maschine gibt es. Sie steht zurzeit auf der Buchmesse in Frankfurt am Main in Hessen. Und sie rackert und rackert. Etwa 200 Menschen zaubert sie dort jeden Tag ein Grinsen aufs Gesicht. So manchem genervten Geschäftsmann im Anzug entlockt sie ein „Juhuuuu“.

Das Ganze funktioniert so: Wer mag, schreibt einen Wunsch, ein Wort oder was einem gerade im Kopf herumgeht, auf einen Zettel. Probieren wir doch mal „Bücherwurm“, schließlich ist Buchmesse. Also ab mit dem Zettel in den Schlitz des Automaten. Eine Münze hinterher und nun warten. Fünf Minuten später klingelt es, der Automat wirft eine Zeichnung aus: ein quietschblaues Buch, durch das ein dicker Wurm lugt. Die Haare trägt er ordentlich gescheitelt, eine Lesebrille sitzt auf seiner Nase.

Wenn sich jemand so richtig freut, kichert der Automat manchmal leise mit. Denn er ist natürlich keine richtige Maschine. Der würde wohl kaum zu jedem Begriff ein schönes Bild einfallen. Also schauen wir ausnahmsweise mal nach und gehen hinter die Wand des Glücksautomaten.

Dort sitzen Ina Hattenhauer und Alexander von Knorre an einem kleinen Tisch, auf dem unzählige Buntstifte liegen. Von draußen fliegt ein Zettel durch den Schlitz herein. „Heißluftballon“ steht darauf. Alexander greift eine leere, weiße Karte und einen dicken, schwarzen Filzstift. Der 26-Jährige zeichnet eine große Blase, darunter ein paar gerade Striche, dann einen Korb. Kurze Zeit später hat der Ballon aufgeblasene Backen, winzige Augen und Schweißperlen auf der Stirn. Mit einem roten Buntstift gibt Alexander ihm Farbe.

„Ich will Illustrator werden, am liebsten für Kinder- und Jugendbücher und Comic“, erzählt er. Zurzeit studiert er genau wie Ina in Weimar in Thüringen. Irgendwann erfanden die Studenten dort den „Illumat“, ihren Zeichenautomaten. „Hier bekommt man so viele neue Ideen zu zeichnen, die hätte man sonst nie gehabt“, sagt die 26-jährige Ina. „Auch der Zeitdruck ist schön.“ Fix muss es immer gehen, schließlich wartet auf der anderen Seite jemand.

„Die erste Zeichnung am Morgen ist immer die schlimmste“, erzählt Ina. Dann ist man noch nicht richtig drin, die Ideen sprudeln noch nicht. „Um neun haben wir uns deswegen gegenseitig Aufgaben gegeben und uns eingezeichnet.“ Seither sind acht Stunden vergangen. Klar, dazwischen gab es Pausen, die Zeichner wechseln sich in einer ganzen Truppe immer ab. Aber zu viel wird es ihnen selbst nach fünf Tagen nicht, sagen sie alle. „Das Schönste ist, dass man direkt eine Reaktion hört, das Lachen von draußen“, findet Alexander. Auch Beschwerden gibt es, sagt Ina. „Einmal hab ich was in Schwarz-Weiß gezeichnet. Das kam dann zurück mit: ,Bitte in Farbe‘.“

Es klingelt und der Zeichenautomat wirft ein Bild aus. Einen Bücherwurm hatte sich hier jemand gewünscht. Fotos: Uwe Anspach

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