Paulas Nachrichten

Gedanken wirken manchmal wie Tabletten

21.10.2017, Von Maria Berentzen — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wenn man sich vorstellt, dass die Medizin sofort hilft, geht es einem manchmal gleich besser

„Gleich hilft die Tablette gegen meine Schmerzen!“ Kranke, die das denken, bei denen wirkt ein Medikament oft besser. Mit solchen Gedanken beschäftigen sich auch viele Forscher. Sie geben sogar manchmal Tabletten, die nichts enthalten, das wirklich gegen die Schmerzen hilft.

TÜBINGEN (dpa). Wenn Erwachsene Kopfschmerzen haben, nehmen sie vielleicht eine Tablette. Die soll gegen das Kopfweh helfen. Aber wusstest du, dass nur ein winziger Teil der Tablette gegen die Schmerzen kämpft? Diesen Teil nennt man Wirkstoff. Er lässt die Schmerzen verschwinden.

Die Tablette selbst besteht hauptsächlich aus gepresstem Pulver. Sie transportiert den Wirkstoff nur – wie ein Lastwagen einen Anhänger. Jemand, der sich gut mit Medikamenten auskennt, ist Paul Enck. Er untersucht, wie Medikamente wirken.

Manchmal helfen auch Tabletten ohne Wirkstoff

Deshalb kennt Paul Enck auch eine merkwürdigen Sache: Jemand schluckt eine Tablette gegen Schmerzen, aber diesmal ist kein Wirkstoff drin.

Trotzdem kann es sein, dass die Kopfschmerzen verschwinden. Klingt seltsam, oder? Eigentlich kann die Tablette ja nicht wirken. Es stimmt aber trotzdem. Wenn Menschen nur stark genug daran glauben, dass ein Medikament ihnen hilft, lassen die Schmerzen oft nach. Dafür gibt es einen Namen – Placebo-Effekt (gesprochen: Platzebo).

Das ist Latein und bedeutet übersetzt: „Ich werde dir gefallen“.

Paul Enck hat diesen Effekt untersucht. Er weiß, warum Tabletten manchmal auch ohne Wirkstoff helfen.

Wichtige Erwartungen

Dafür sind die Erwartungen des Patienten sehr wichtig. Menschen lernen: Es hilft gegen Kopfschmerzen, wenn sie eine Tablette schlucken. „Haben sie in Zukunft Kopfschmerzen, erwarten sie, dass ihnen auch dann eine Tablette hilft“, sagt Paul Enck.

Allein diese Erwartung kann schon dafür sorgen, dass der Körper bestimmte eigene Stoffe ausschüttet. Und diese Stoffe wirken dann gegen die Schmerzen.

Placebo-Effekt auch bei Spritzen oder Salben

Übrigens gilt der Placebo-Effekt nicht nur für Tabletten, sondern für jedes Medikament. Er funktioniert auch mit einer Salbe oder einer Spritze. Solche Placebos werden in Deutschland aber nur in der Forschung benutzt, nicht wenn jemand wirklich krank ist. Zum Beispiel testet man so neue Medikamente.

Dafür suchen die Forscher Menschen, die etwa eine bestimmte Krankheit haben. Einige von ihnen bekommen Tabletten, die einen Wirkstoff enthalten. Die anderen bekommen Tabletten, die genauso aussehen, aber ohne Wirkstoff. Dabei weiß keiner, ob seine Tabletten den Wirkstoff enthalten oder nicht. Auf diese Weise testen die Forscher, ob ein neues Medikament nützt: Es muss mehr helfen als das Placebo.

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