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Fußball ohne Regeln: Tricks auf der Bühne

09.07.2016, Von Silke Fokken — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

In dem Musical „Das Wunder von Bern“ in Hamburg sieht man auch Ball-Zauberer

Sie sind Fußball-Profis. Aber ihnen geht es nicht darum, Tore zu schießen. Adrian und Dominik haben mit dem Ball ganz andere Tricks drauf. Sie sind Fußball-Freestyler. Damit wurden sie sogar Musical-Stars.

Während des Musicals „Das Wunder von Bern“ zeigen die Fußball-Freestyler Adrian Fogel (links) und Dominik Kaiser Kunststücke mit dem Ball, aufgenommen am 11. Mai in Hamburg. Ein Leben ohne Fußball können sich die Ball-Künstler nicht vorstellen. Foto: Silke Fokken

HAMBURG. Adrian schießt den Ball in die Luft, dreht sich blitzschnell – und fängt ihn mit dem Nacken wieder auf. Immer wieder macht er das, ohne dass der Ball wegspringt oder herunterfällt.

Dominik liegt auf dem Rücken, kickt den Ball hoch, wechselt in den Handstand und fängt ihn dann mit den Knien sicher auf. Es sind atemberaubende Tricks!

Adrian ist 30 Jahre alt und Dominik 29 Jahre. Beide trainieren solche Kunststücke jeden Tag. Sie sind Fußball-Profis. Die Kicker spielen aber nicht in einer Mannschaft wie Hummels, Müller oder Podolski.

Die beiden denken sich immer neue Tricks mit dem Ball aus. Diese zeigen sie bei Wettbewerben, für Werbefilme oder in Shows in vielen Ländern der Welt. Es geht um eine eigene Sportart: Fußball-Freestyle.

„Es gibt dabei keine großen Vorschriften“, sagt Dominik. „Man darf zum Beispiel auch die Hände benutzen. Hauptsache, die Tricks sehen cool aus.“ Sie sollen so wirken, als ob der Ball ganz mühelos genau da landet, wo er hin soll. Aber wer es ausprobiert, merkt: Es ist schon schwierig, einen Fußball einfach sicher auf dem Zeigefinger kreisen zu lassen.

„Für einige Tricks üben wir mehrere Monate, für manche sogar bis zu zwei Jahre“, erzählt Adrian. „Man darf nicht die Geduld verlieren, sondern muss es immer weiter versuchen.“ Und nicht vor Frust auf dem Sofa oder vorm Computer abhängen. Adrian lacht. „Passiert mir aber auch manchmal. Zu verbissen sollte man auch nicht sein.“

Adrian und Dominik machen seit mehr als 15 Jahren Fußball-Freestyle. Durch ihren Sport sind sie sogar zu Musical-Stars geworden. Acht Mal pro Woche treten sie in dem Musical „Das Wunder von Bern“ in Hamburg auf. Die anderen Darsteller sind Sänger, Tänzer und Schauspieler.

Aber weil es in der Show um Fußball und die Weltmeisterschaft von 1954 geht, wurden Adrian und Dominik als Ball-Künstler engagiert. Ihnen mache das riesigen Spaß, sagen sie. Die beiden schlüpfen in der Show in mehrere Rollen. In einer Szene zeigen sie sogar ihre Tricks.

„Wenn die Zuschauer nach der Show klatschen und aufstehen, ist das ein großartiges Gefühl“, sagt Adrian. Dass er kein Nationalspieler geworden ist, wie er das als Kind vorhatte, tut ihm gar nicht leid. Nur ein Leben ohne Fußball kann er sich überhaupt nicht vorstellen, genau wie Dominik.

„Bei der Europameisterschaft fiebern wir auf jeden Fall mit“, sagen die beiden Akrobaten. In ihrer Musical-Garderobe haben sie einen Fernseher. Außerdem können sie Computerspiele spielen, um sich vor dem Auftritt zu entspannen. Was sie da spielen? Adrian grinst. „Fußball natürlich.“ Vor den Auftritten hängen die beiden aber nicht nur vor dem PC. Sie stehen auch oft am Kickertisch.

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