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Fußball an Weihnachten – Anan aus Kenia erzählt

11.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anan ist zwölf Jahre alt und lebt in Kenia im Osten Afrikas. Er wohnt mit seinen Eltern in einem Armenviertel. Doch Anan hat einen Traum, um dort herauszukommen: Fußball-Profi werden. An Weihnachten will er seinen Eltern zeigen, was er schon draufhat.

Wenn der Trainer pfeift, ist Anan fast immer schnell am Ball. Er dribbelt barfuß, und der Fußball sieht etwas verbeult aus. Das Trainingsgelände ist ein ziemlich unebener Rasenplatz vor einer Schule in Mathare, einem Armenviertel in Nairobi. Das ist die Hauptstadt von Kenia, einem Land in Ostafrika.

Anan ist zwölf Jahre alt und noch nie richtig aus Mathare herausgekommen. Seine Welt besteht aus Wellblechhütten und Häusern, in denen viele Menschen in viel zu kleinen Wohnungen leben. Ein Badezimmer oder elektrischen Strom haben nur wenige. Auf den Straßen vermodert der Müll. Und wenn der Wind von der nahe gelegenen Müllkippe herüberweht, stinkt es im ganzen Viertel. Weihnachtsdeko gibt es hier nicht, Plätzchenduft noch viel weniger.

Anans Eltern haben wenig Geld, aber der Junge hat einen Traum. „Ich will Profi-Fußballer werden“, sagt er. Seit zwei Monaten spielt er in einer Fußballschule in Mathare. Das ist besser, als mit einem aus Lumpen gebastelten Ball in den engen Gassen zu kicken. Anan ist ein Fan der englischen Mannschaft Arsenal London. „Einmal so gut spielen zu können, dass es für einen Profi-Verein in Europa reicht, das wäre toll!“, sagt Anan. Von einer Profikarriere träumt auch sein zwei Jahre älterer Freund Beli, der mit ihm Fußball spielt.

Deshalb trainieren sie fleißig, jedes Wochenende und in den Ferien auch nachmittags. „Ich spiele für meine Zukunft“, versichert Anan. Denn er weiß, viele Jungen in Mathare haben schon keine Zukunft mehr, auch wenn sie nur wenig älter sind als er. Das sind dann zum Beispiel die Jungen, die sich einer Bande anschließen.

Am Weihnachtstag kann Anan seiner Familie, seinen Freunden und anderen Leuten aus der Nachbarschaft zeigen, wie gut er schon spielen kann. Es wird ein Fußballspiel geben. Andere Kinder aus dem Viertel zeigen Akrobatik, singen und tanzen. Zum Beispiel Christina. Sie singt in der Kirche im Chor und träumt von einer Karriere als Sängerin. „Vielleicht kann ich dann ja auch mal in deinem Land auftreten“, sagt die 18-Jährige und meint Deutschland.

Die Kinder und Jugendlichen von Mathare haben viele Träume und Wünsche. Manchmal sind sie auch ganz bescheiden: Dass sie sich satt essen können, ihre Eltern das Geld für Schulbücher haben, dass sie einmal in einer Wohnung leben, die eine Toilette und fließendes Wasser hat. Und einige hoffen, dass ihr Talent beim Fußball oder Singen groß genug ist für ein Leben außerhalb von Mathare.

Der Junge in der roten Hose ist der zwölfjährige Anan, der Junge mit den gelben Turnschuhen sein Freund Beli. Fotos: Eva Krafczyk

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