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Eine Festung mit schlafenden Fledermäusen Beim Winterschlaf fahren die Fledermäuse ihren gesamten Stoffwechsel herunter

07.02.2015, Von Jennifer Heck — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Was machen Fledermäuse jetzt, wenn es kalt ist? Sie halten Winterschlaf. Dafür kuscheln sie sich in enge Ritzen und Löcher. Wir haben uns das etwas näher angeschaut, in einer alten Festung in Berlin.

BERLIN. Ein großes Tor versperrt den Weg in die dunklen Gänge der alten Festung. Es verhindert, dass Besucher hier durchlaufen. Sie könnten die Fledermäuse aufwecken. Die Tiere haben sich zwischen den Steinen ein Versteck für den Winterschlaf gesucht.

Robert Henning hat den passenden Schlüssel. Er ist Biologe und kümmert sich zusammen mit dem Berliner Artenschutz-Team um die Fledermäuse in der Zitadelle Spandau. Das ist eine alte Festung. „Die Zitadelle ist ein bedeutendes Winterquartier im Berliner Raum“, sagt er. „So viele Bauwerke in der Art gibt es in der Gegend nicht.“

Es quietscht, als er das eiserne Tor öffnet. Ein langer, dunkler Gang mit Backsteinen und ohne Fenster liegt dahinter. Robert Henning leuchtet mit einer Taschenlampe den Weg. Ab und zu fehlt ein Stein in der Wand. Manchmal sind kleine Hohlräume dahinter. Er zeigt mit der Lampe auf eines der Löcher. Eine schlafende Fledermaus hängt dort am Eingang, mit dem Kopf nach unten.

„Die Löcher sind extra für Fledermäuse gemacht“, erklärt Herr Henning. „Man sieht nur die Fledermaus, die am Eingang des Lochs hockt. Aber ich habe vorhin mit einer kleinen Kamera an ihr vorbeigeschaut. Da sitzen mindestens 15 Tiere drin.“

Die Fledermaus hängt da wie erstarrt. Direkt unter ihr ist ein Stein. Darauf stützt sie sich ein bisschen ab. Auch von der Taschenlampe wird sie nicht wach. „Die Tiere schlafen ziemlich fest“, sagt Herr Henning. „Winterschlaf ist ja nicht nur wie ein normaler Schlaf. Die Fledermaus fährt ihren gesamten Stoffwechsel herunter.“

Nach einer Weile erscheint im Licht der Taschenlampe eine alte Holztreppe. Robert Henning leuchtet zwischen die Backsteinwand und den Holzbalken der Treppe. Wenn man sich mit dem Kopf ganz an die Wand lehnt, sieht man winzige Fledermäuse in dem Schlitz sitzen.

„Das sind Zwergfledermäuse“, sagt Herr Henning. „Diese Art ist eine der kleinsten und nur etwa daumengroß. Sie findet also in den kleinsten Ritzen Platz. Ihre Jungen sind in etwa so groß wie ein Fingernagel.“

Die Treppe hinauf liegt ein kleiner Raum. Dort liegt eine Fledermaus zwischen zwei Steinen. „Fledermäuse müssen nicht im Hängen schlafen“, sagt Herr Henning. „Fransenfledermäuse zum Beispiel schlafen sogar manchmal auf dem Rücken.“

Der Platz zwischen den Steinen ist eng. Die Fledermaus sei vorn auf dem Stein gelandet und rückwärts hineingekrabbelt, erzählt Herr Henning. „Sie schiebt dabei ihre Füße nach hinten, krallt sich fest und zieht sich ran. Nach ein paar Mal ist sie drin.“

Das Tier war letzte Woche noch nicht da, sagt Herr Henning. Es ist wohl umgezogen. „Diese Woche war es ein paar Tage ziemlich warm. Das führt dazu, dass die Tiere im Winter auch mal wach werden und dabei ihren Schlafplatz in der Festung wechseln.“

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