Paulas Nachrichten

Ein Po-Abdruck hilft beim Bau eines Bootes

14.07.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sie flitzen mit coolen Fahrrädern oder paddeln mit superleichten Kanus: Bei großen Sportwettkämpfen wie den Olympischen Spielen haben Sportler oft die neuesten Geräte. In Deutschland werden viele davon in einem Institut in Berlin gebaut.

Das Foto zeigt den Stoff Kohlefaser. „Kohlefasern sind besonders leicht und trotzdem unheimlich reißfest“, sagt Ingenieur Nicolas Warzecha. Fotos: Maria Rossbauer

„Bei uns dreht sich alles um Olympia“, sagt Nicolas Warzecha. Er läuft durch eine große Werkstatt. Bei einem langen weißen Kanu bleibt er stehen. „Mit dem wird die deutsche Mannschaft in diesem Jahr starten“, sagt er. Er und seine Kollegen haben das Boot gebaut. Denn Nicolas Warzecha ist Ingenieur. Er arbeitet in Berlin an einem Institut, das Sportgeräte erforscht und entwickelt. Es heißt abgekürzt FES. Am FES tüfteln Forscher an allen möglichen Geräten für deutsche Sportler: Kanus, Fahrräder, Schlitten, Segelboote.

„Zu uns kommt zum Beispiel der deutsche Kanuverband und sagt: Wir brauchen ein neues Boot“, erzählt Nicolas Warzecha. Er und seine Kollegen überlegen, wie sie es bauen könnten. Dann setzt sich der Ingenieur an seinen Computer. Mit einem speziellen Programm baut er sich das Boot am Rechner zusammen. Er bastelt am Computer auch ein Wasserbecken, setzt das Boot hinein und lässt es schwimmen.

„Am Computer kann ich alles Mögliche erst mal berechnen“, erzählt Nicolas Warzecha. Zum Beispiel: Wie hoch sind die Wellen, die das Boot schlägt? Und an welchen Stellen entstehen sie? Wellen bedeuten, dass das Boot irgendwo gebremst wird. Und es soll ja schnell durchs Wasser flutschen. Nicolas Warzecha tüftelt also eine Weile an seinem Rechner herum. Er zupft an der Form des Bootes, probiert verschiedene Materialien durch – so lange, bis das Boot am Computer super schwimmt.

Ist er mit seinem Schiff zufrieden, kommen die Sportler zur Anprobe. Nicolas Warzecha grinst. „Wir haben auch schon Sportler in eine Gipswanne gesetzt“, sagt er. So kriegen die Experten die genaue Form des Sportler-Pos. Daraus basteln sie später den Kanusitz oder Rudersitz, passend zum Po. Aus dem Po-Abdruck und den Plänen von Nicolas Warzechas Computer-Boot bauen die Bootsbauer ein erstes Modell. Das Boot wird dann auch wieder getestet.

„Um ein Kanu zu bauen, brauchen wir etwa ein dreiviertel Jahr“, erzählt Nicolas Warzecha. Ist dann alles fertig und getestet, kommt der Sportler wieder ins Institut. Mit dem Boot fährt er dann. „Es ist auch schon passiert, dass so ein Boot komplett fertig war, und dann kam der Sportler und sagte: Irgendwie fühl ich mich darin nicht wohl“, erzählt Nicolas Warzecha. Dann können sie wieder von vorne anfangen.

Wenn der Sportler sein neues Schiff aber mag, trainiert er noch etwa ein Jahr damit. Und dann geht’s zu den Olympischen Spielen. Die beginnen dieses Jahr am 27. Juli. Die Wettkämpfe guckt natürlich auch Nicolas Warzecha mit seinen Kollegen vor dem Fernseher an. „Wir fiebern ja mit den Sportlern mit“, sagt der Ingenieur. „Wenn ein Kanufahrer mit unserem Boot gewinnt, ist das ein bisschen auch ein Sieg für uns.“

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