Paulas Nachrichten

Ein Mann für Weltklasse-Flügel

10.07.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Konzentriert schlägt Gerd Fründ die schwarz-weißen Tasten an. Er steht vor dem Flügel und runzelt leicht die Stirn. „Dieser Ton ist mir ein wenig zu hart“, sagt der 64-Jährige. Gerd Fründ arbeitet bei Steinway in Hamburg. Die Firma gehört zu den weltbesten Klavierherstellern. Etwa 1300 Flügel und Klaviere werden von Hamburg aus jedes Jahr in vier Kontinente geschickt. Doch vorher guckt Gerd Fründ bei jedem der Instrumente, ob auch alles stimmt.

Mit diesem Flügel hier ist er noch nicht zufrieden. Er sticht mit einer feinen Nadel in den weißen Filz des Hammerkopfes, der die Saiten des Flügels zum Klingen bringt. Dann spielt er die Tasten erneut. „Jetzt klingt er wie ein echter Steinway – brillant und klar“, sagt der Fachmann.

Vor 50 Jahren fing Fründ als Lehrling bei Steinway an. Noch immer begeistert ihn sein Job. „Das Zusammenspiel der Töne macht mir jedes Mal wieder Gänsehaut“, sagt er. Tag für Tag guckt er sich fünf bis sechs Flügel und Klaviere an. Dabei achtet er nicht nur auf den Ton und die Stimmung. „Ich krieche auch unter den Flügel“, erzählt Fründ. Dort checkt er, ob auch alles richtig ist.

Ein Jahr dauert es etwa, bis aus einem Stapel aus Ahorn- und Mahagoni-Holz ein Flügel wird. Gebaut wird von außen nach innen: Zuerst entsteht der Rahmen. In den werden nach und nach etwa 12 000 Teile eingefügt. „Wir stellen auch fast alle Teile selbst her, von der Basssaite über das Gehäuse bis hin zum Resonanzboden“, erklärt eine Sprecherin der Firma.

Tischlermeister Sven Krüger passt einen Hammerstiel an. Die Kollegen links und rechts neben ihm richten Tasten aus, setzen Dämpfer auf und stellen Hämmer ein. Für alle Arbeiten sind Ruhe und Geduld gefragt. Nur so werden es Instrumente der Spitzenklasse. Vor allem Star-Pianisten spielen auf Steinway. Ein Flügel kostet zwischen 50 000 und 116 000 Euro. Auch Sonderwünsche sind möglich. Die Sprecherin erzählt: „Wir haben auch schon einen rosafarbenen Flügel mit goldenen Schnitzereien gefertigt.“

Intoneur Gerd Fründ prüft den Klang eines Flügels. Gerd Fründ arbeitet seit 50 Jahren bei der Klavierbaufirma Steinway & Sons. Jeden Tag prüft er fünf bis sechs Instrumente, bevor diese die Firma verlassen. Foto: Bodo Marks

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