Paulas Nachrichten

Ein kunterbunter Vulkan

21.02.2015, Von Jennifer Heck — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Aus abgekühlter Lava wird fruchtbare Erde

Innen brodelt er heiß. Draußen sieht der Vulkan La Soufrière aus wie ein normaler Berg. Auf ihm wachsen Gräser und Blumen. Der Vulkan steht auf der Insel Guadeloupe in der Karibik. Wir haben uns auf ihm umgeschaut.

So sieht der Vulkan aus wie ein grüner Berg. Wenn man ihn besteigt entdeckt man aber viele Farben. Fotos: Jennifer Heck

Mitten im Regenwald, auf der Insel Guadeloupe in der Karibik, beginnt die Wanderung zum Vulkan. Von den Bäumen hängen Lianen. Über Steine und Bachläufe, vorbei an Wasserfällen, geht es durch den verwucherten Urwald. Riesige Bäume, Farne, die aussehen wie Propeller und kleinere Pflanzen wachsen durcheinander. Sie ernähren sich von dem vielen Wasser, das in dieser Gegend als Regen auf die Bäume niederprasselt. Deshalb ist es nicht nur heiß, sondern auch sehr feucht in der Luft. Uns steht der Schweiß auf der Stirn.

Plötzlich ist der Regenwald zu Ende und da steht er: der Vulkan La Soufrière (gesprochen: suffriär). Er sieht von Weitem aus wie ein grüner Berg mit viel Gras und einer braunen Spitze. Weißer Rauch steigt auf. Der Vulkan ist aktiv. Das heißt, er könnte ausbrechen.

Sein letzter Ausbruch liegt aber schon lange zurück. Davon sind heute noch die erstarrten Lavaströme auf dem Vulkan zu erkennen. „Ein paar Pflanzen haben in den Ritzen der Lava ihre Wurzeln“, sagt Hardy Pfanz. Er ist Botaniker und kennt sich sehr gut mit Pflanzen aus. „Dort können sie ein bis zwei Meter tief wurzeln.“

Den Berg zu besteigen, ist der anstrengendere Teil der Wanderung. Immerhin wird es mit zunehmender Höhe kühler.

Igitt, was ist das denn? Jetzt stinkt es plötzlich nach faulen Eiern. Der Schwefelgeruch kommt von den Schwefeldämpfen aus dem Erdinneren. Einzelne Arten lieben den stinkigen Schwefel, sagt Hardy Pfanz. „Solche Pflanzen brauchen den Schwefel sogar zum Überleben.“ Also wachsen sie auch eher dort, wo Schwefel in der Luft ist.

Der Gestank brennt beim Aufstieg richtig in der Nase. Fast am Ziel angekommen, sozusagen im obersten Stockwerk des Vulkans, ist er kaum noch auszuhalten. Aber aufgeben gibt es nicht, also weiter Richtung Gipfel! Rundherum sieht es mittlerweile so aus, als würde ein heller gelb-grüner Teppich auf dem Gestein liegen. „Das, was immer so platt am Boden ist, sind entweder Algen oder Moose“, erklärt Hardy Pfanz.

Mittendrin auf diesem Moos-Teppich sitzen immer wieder violette Blumen. „Wenn ein Vulkan eine Weile schon nicht mehr ausgebrochen ist und sich höhere Pflanzen angesiedelt haben, gibt es immer viele Pflanzen mit bunten Blüten“, sagt Spezialist Pfanz. „Aber das hat jetzt nichts direkt mit dem Vulkan zu tun.“ Die Pflanzen können alle Farben haben von Gelb über Orange, Rot oder Blau. „Das hängt aber immer von der Pflanzen-Art ab, die vorkommt.“

Dann ändert sich die Umgebung schlagartig. Auf einer Höhe von fast 1500 Metern sieht es aus wie auf einer Mondlandschaft. Der Gipfel ist ein braunes Gelände mit mehreren Kratern. Nebel liegt in der Luft.

Im Vergleich zu den Temperaturen im Wald ist es auf dem Gipfel sehr kalt. Der Boden aber ist in der Nähe der Krater heißer als sonst, erklärt der Fachmann. „Die Wurzeln der Pflanzen werden durch die Hitze teilweise abgetötet.“

Es zischt und pfeift. Die Geräusche kommen aus Löchern. Sie heißen Fumarolen. Aus ihnen steigt weißer Dampf auf. „An den Stellen, an denen die Gase austreten und sich verteilen, da werden die meisten Pflanzen abgetötet“, sagt Hardy Pfanz. Zwischen dem Vulkangestein sitzen deshalb nur noch einzelne Pflanzenbüschel oder Blumen. Aus dem Erdinneren hört man ein lautes Grollen. Echt gruselig!

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