Paulas Nachrichten

Ein Instrument, das beim Spielen größer wird

11.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Es gibt Instrumente, die sich wie ein kleines Orchester anhören. Und das, obwohl man sie alleine spielt! So ein Instrument ist das Akkordeon.

Weil Benedikt mit dem Fahrrad zum Musikunterricht kommt, hat er kein eigenes Instrument dabei. „Ich kann mir hier eins ausleihen, das ist praktisch“, sagt der Elfjährige. Schnell zieht er seine Jacke aus und greift zum großen Akkordeon, das der Lehrer für ihn bereitgestellt hat. Benedikt spielt schon eine Weile Akkordeon. Das merkt man, als er sich das große Instrument vor den Bauch schnallt. Mit geübten Handgriffen legt er die Riemen über die Schultern und zieht sie fest. Das ist wichtig, damit das Akkordeon gut sitzt und beim Spielen nicht nach vorne kippt.

Seit drei Jahren nimmt Benedikt Unterricht an einer Musikschule in Bayern. „Ich habe mal im Urlaub in einem Hotel jemanden Akkordeon spielen sehen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich es unbedingt lernen wollte“, erzählt er. Benedikt findet, dass das Instrument nicht nur toll aussieht, sondern auch schön klingt. „Natürlich nur, wenn man einigermaßen spielen kann“, sagt er. Irgendwann will er so gut sein, dass er mit seinen älteren Brüdern zusammen spielen kann – die lernen schon ein paar Jahre länger Klavier und Geige.

Akkordeon-Lehrer Roland Wankmüller hat den Notenständer aufgebaut und sich neben Benedikt auf einen Stuhl gesetzt. „Zuerst das Stück vom Kuckuck“, fordert er seinen Schüler auf. Voller Konzentration legt Benedikt die Finger auf Tastatur und Knopfleiste und beginnt zu spielen. Langsam zieht er dabei den Blasebalg auseinander, wodurch das Instrument immer größer wird. Der Lehrer schaut zufrieden. Nur einmal greift er ein, weil Benedikt aus dem Takt gekommen ist. Mit Klatschen üben sie gemeinsam, welcher Takt der richtige ist. „Das Schwierige am Akkordeonspielen ist, dass man eigentlich drei Sachen auf einmal macht“, sagt der Musiklehrer: Die rechte Hand spielt die Melodie auf der Tastatur, die linke drückt die Bassknöpfe zur Begleitung. Und gleichzeitig ziehen beide Hände den Blasebalg auseinander und drücken ihn wieder zusammen. Um nicht durcheinanderzukommen, werden die Hände getrennt geübt, erklärt der Fachmann.

Dass beide Hände verschiedene Aufgaben haben, bereitet dem zehnjährigen Philip noch manchmal Schwierigkeiten. Er spielt erst seit einem Jahr Akkordeon. „Wenn wir ein neues Stück üben und dann beide Hände zusammen spielen sollen, ist das ganz schön schwierig“, erzählt er. Dafür fallen Philip die Basstöne, die er mit der linken Hand spielt, leichter als vielen anderen Akkordeon-Anfängern. Kein Wunder: Philip ist Linkshänder.

Philip (links) und Benedikt (11) beim Akkordeon-Unterricht Foto: Birgit Klimke

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