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Echte Blitzmerker: Im Harz leben auch Lamas

20.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kauend schiebt Tarkan seinen Kopf aus dem Holzverschlag. Die langen, schwarz-weißen Ohren schnippen nach vorne. Der kurze, buschige Schwanz klappt hoch – ein Zeichen erhöhter Wachsamkeit. Tarkan ist eines von fünf Lamas, die in Sophienhof bei Ilfeld in Thüringen leben.

Die Lamas laufen aber nicht frei im Südharz herum, sondern leben in einem Stall. Ihre Besitzer bilden die Lamas aus – etwa für den Trekking-Sport. Tarkan, der gescheckte, sechs Jahre alte Wallach, kennt die Abläufe vor jedem Spaziergang in den winterlichen Wald: Halfter anlegen und Strick einhaken, dabei geduldig stehen. Ronald Kirschner und seine Frau Marita Guckuk bieten seit Jahren Lama-Trekking an. Wer mag, kann also auf einem Lama durch die Region reiten. Dabei wurde bisher nicht ein Tourist angespuckt, sagt Ronald Kirschner. „Lamas brauchen täglich Beschäftigung, im Winter wie im Sommer. Daher spuckt manch frustriertes Tier im Zoo“, erläutert er. Gewöhnt sind Lamas nämlich eigentlich etwas anderes: Sie kommen aus den südamerikanischen Anden. Dort dienen sie seit Tausenden von Jahren als Packtiere. Auch in Kirschners Lama-Herde kommt nur selten Langeweile auf. Außer an den Trekking-Touren nehmen die Tiere oft an Wettbewerben teil. Der zottelige Belushi gewinnt dort dank seiner Schönheit Preise. Paul brilliert im Parcours. Dort zeigt er sein Können. „Wippen, Tunnel, Sprünge und Rückwärtsgehen, alles kein Problem für ihn“, berichtet Kirschner stolz. Einige Lamas haben auch noch eine andere Aufgabe: Kolumbus, der schokoladenbraune Jüngling in der Herde, soll nach seinem Training mit Rentnern schmusen. Er muss dann zum Beispiel auch neben einem Rollstuhl sicher herlaufen. Viele Menschen finden es nämlich sehr schön, wenn sie mit Tieren kuscheln können. Besonders wenn sie – wie manche ältere Menschen – viel alleine sind. Und Lamas können lernen, ihnen zu helfen. Lamas gelten als Blitzmerker, erzählt der Trainer.

Marita Guckuk geht mit den Lamas Tarkan und Paul. Foto: Matthias Bein

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