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Die Hanse: „Gemeinsam sind wir stark!“ Kaufleute und Städte schlossen sich zusammen

14.02.2015, Von Silke Fokken, dpa — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Überall lauerte Gefahr. Wenn Kaufleute im Mittelalter mit ihren Waren unterwegs waren, wurden sie oft ausgeraubt. Bis einige eine super Idee hatten, wie man sich schützen könnte.

Nach einer Enthüllungszeremonie (im Mai 2000) ist die 1962 im Weserschlick entdeckte Hansekogge aus dem Jahre 1380 erstmals für das Publikum des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven (DSM) voll sichtbar. Eine Kogge konnte besonders viele Waren an Bord nehmen. Das war für die Kaufleute bei ihren Handelsreisen wichtig.

LÜBECK. Wir schlagen alle Halunken gemeinsam in die Flucht! Wir reisen ab jetzt in großen Gruppen! Welche Kaufleute vor rund 1000 Jahren diesen Einfall hatten, weiß man heute nicht mehr genau. Fest steht aber: Aus der Idee entwickelte sich im Laufe der Zeit ein starkes Bündnis: die Hanse.

Das Wort bedeutet Schar, Gefolge oder Gruppe, erklärt der Fachmann Rolf Hammel-Kiesow. Zu solchen Bündnissen schlossen sich im Mittelalter Kaufleute aus verschiedenen Städten zusammen, wenn sie in fernen Ländern Handel trieben. Die Idee: Alle zusammen sind wir stärker als in kleinen Gruppen!

Die Kaufleute unternahmen mit ihren Waren weite Reisen nach England, Belgien oder Russland. Damals gab es aber noch keine Flugzeuge oder Züge. Die Kaufleute fuhren mit Pferd und Wagen übers Land oder mit Schiffen über Flüsse und Meere.

Beides dauerte Tage oder sogar Wochen und Monate und war gefährlich. Oft lauerten Räuber oder Piraten im Hinterhalt, um die Waren zu erbeuten. Die Kaufleute handelten zum Beispiel mit Heringen, Pelzen, Wachs, Gewürzen oder teuren Stoffen.

Um sich vor Überfällen zu schützen, waren die Hanse-Leute bewaffnet unterwegs. „Viele der Männer trugen einen Helm und ein Kettenhemd und sie hatten Schwerter dabei“, erzählt der Experte.

Bei der Hanse ging es aber um viel mehr als den Schutz vor Überfällen. „Die Kaufleute nutzten das Bündnis, um im Ausland ihre Forderungen gegenüber den Herrschern durchzusetzen“, sagt der Fachmann. Sie wollten sich im Ausland sicher fühlen und möglichst gute Bedingungen zum Handeln haben.

Allein wären sie mit solchen Forderungen kaum durchgekommen, aber in der großen Gruppe klappte es. „Gemeinsam waren die Kaufleute stark.“ Die Kaufleute bekamen die Vorteile, die sie wollten. Nach und nach wurde die Hanse immer mächtiger. Die Kaufleute verdienten viel Geld. In ihren Heimat-Städten durften sie mehr mitbestimmen.

Schließlich taten sich nach den Kaufleuten auch mehrere Städte zusammen – zu einer Städtehanse. Zeitweise machten fast 200 Hansestädte in ganz Europa dabei mit. Das Bündnis hatte zwar keinen Chef oder feste Regeln. Aber man unterstützte sich beim Handel und hatte gemeinsam viel Macht, jedenfalls, wenn es um gute Geschäfte ging. Einige Hundert Jahre war die Hanse sehr stark. Dann schrumpfte ihr Einfluss. Zum Beispiel, weil fremde Herrscher die Macht der Kaufmanns-Städte nicht länger hinnehmen wollten.

Manche Städte sind noch heute stolz, dass sie einmal zu der berühmten Handelsgruppe gehörten. Die Stadt Lübeck an der Ostsee heißt heute noch „Hansestadt Lübeck“.

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