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Das Schiffshebewerk – Fahrstuhl für Schiffe

22.09.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ein Aufzug, der riesige Schiffe hebt – das ist ein Schiffshebewerk. In Brandenburg gibt es das älteste Schiffshebewerk Deutschlands, das noch arbeitet. Die „dpa-Nachrichten für Kinder“ haben es besucht.

Das Schiff wartet schon, das uns heute zu einem besonderen Bauwerk bringt – dem Schiffshebewerk Niederfinow. Es liegt in Brandenburg. Solche Hebewerke braucht man etwa in Kanälen. Wenn die gebaut werden, müssen die Experten verschiedene Höhen überbrücken. Das ist wie eine Treppenstufe für Schiffe. Und beim Überwinden dieser Stufe hilft ein Schiffshebewerk. Wie das in Niederfinow. Es ist wie ein Fahrstuhl für Schiffe.

Nun geht es los. Kapitän Heinz-Georg Teichmann steuert das Schiff den Oder-Havel-Kanal entlang. Er verbindet den Fluss Havel mit dem Fluss Oder. Die Fahrt führt vorbei an Wiesen und Bäumen. Und plötzlich taucht es auf: Ein riesiges Bauwerk aus Stahl. Von Weitem sieht es aus wie ein gigantisches, graues Haus. Das ist das Schiffshebewerk in Niederfinow. 60 Meter ist es hoch – das ist so hoch wie ein Hochhaus mit fast 20 Stockwerken.

Vor dem Hebewerk wartet schon ein langes Schiff auf den Aufzug. Es ist mit Kohle beladen. Wir haben Glück und müssen nicht warten, der Aufzug ist bereit. Den Mann, der ihn steuert, nennt man Trogfahrer.

Jetzt öffnen sich die zwei Tore des Hebewerks. Wir fahren hinter dem Kohle-Schiff in einen großen Trog. „Dieser Trog ist Brandenburgs größte Badewanne“, sagt unser Kapitän und lacht. „Darin werden wir nun im Wasser nach oben gehoben.“

Es dauert eine Weile, bis Arbeiter alle Schiffe mit Seilen festgemacht haben. Die beiden Tore werden geschlossen. Jetzt muss noch Wasser abgelassen werden. Es trennt den Kanal von dem Hebewerk. Der Trog wird entriegelt, damit er bewegt werden kann. Es ertönt eine Hupe. Sie warnt davor, dass gleich vier Motoren anlaufen. Die hieven den Trog mit nach oben.

Jetzt ertönt eine Doppelhupe. Der Trogfahrer legt den Hebel um und der Fahrstuhl ruckt an. „Wir überwinden pro Sekunde etwa zwölf Zentimeter“, erzählt Herr Teichmann. „Die reine Fahrtzeit beträgt nur fünf Minuten.“ Tatsächlich geht es ganz schön schnell, bis die vielen Stahlseile den riesigen Wassertrog hochgezogen haben.

Oben angekommen, fahren wir nach vorne raus in den Kanal. Wenn wir zurückgucken, dann ist es so, als würden wir aus dem zehnten Stock eines Hochhauses schauen. Der Aufzug hat uns 36 Meter hochgezogen. Nach hinten blicken wir weit über Wiesen und Felder. Und die Touristen, die von unten das Hebewerk bestaunen, wirken wie kleine Spielfiguren.

Wie ein einfacher Aufzug mit Seilen und Gewichten

Das Schiffshebewerk ist wie ein einfacher Aufzug konstruiert. Man hat ein Seil, das über eine Seilwinde läuft. Auf der einen Seite ist der Fahrstuhl befestigt und auf der anderen Seite ein Gegengewicht. Es sorgt dafür, dass der Fahrstuhl nicht hinunterstürzt. Das Gute an dieser Mechanik ist: Man braucht sehr wenig Kraft, um ein schweres Gewicht zu heben.

Beim Schiffshebewerk Niederfinow hängt der Fahrstuhl nicht an einem Seil. Es sind 256 Drahtseile. Und es gibt 192 Gegengewichte aus Stahlbeton. Diese Gegengewichte haben zusammen genau das Gewicht des Fahrstuhls – also des Trogs, mit dem die Schiffe gehoben werden. Der Trog wiegt mit dem Wasser darin mehr als 4000 Tonnen – so viel wie 4000 kleinere Autos.

Wenn ein Schiff in den Trog fährt, verdrängt es genau so viel Wasser, wie es selbst wiegt, und deshalb bleibt das Gewicht des Fahrstuhls gleich.

Nach unten oder oben bewegt wird der Trog von Motoren. Die Baumeister statteten das Hebewerk mit vier Motoren aus. Das sind mehr als unbedingt nötig sind. Aber es macht das Ganze sicherer. Denn selbst wenn drei Motoren ausfallen, kann der letzte Motor den Trog noch heben.

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