Paulas Nachrichten

Das Problem mit den Tierversuchen

18.03.2017, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Forscher versuchen Wege zu finden, wie man in Zukunft auf Tierversuche verzichten kann

Es ist eine schwierige Gewissens-Frage: Darf man Tiere für das Wohl der Menschen leiden lassen? In der Forschung werden häufig Tierversuche gemacht. Einige Wissenschaftler wollen das ändern.

In einem Labor der Gewebebank des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Adipositaserkrankungen (IFL) an der Universität in Leipzig beobachtet Tierpflegerin Eva Böge eine adipöse Maus mit einem Gewicht von 52 Gramm (links) und eine normale Maus mit 20 Gramm. Wissenschaftler entdeckten über die Jahre immer bessere Heilmittel gegen Krankheiten. Das ist ihnen unter anderem durch Tierversuche gelungen. Foto: Waltraud Grubitzsch

BERLIN. Die meisten Menschen leben heute gesünder und länger als noch vor 100 Jahren. Das haben wir auch den Fortschritten in der Medizin zu verdanken. Wissenschaftler entdeckten über die Jahre immer bessere Heilmittel gegen Krankheiten. Das ist ihnen unter anderem durch Tierversuche gelungen.

Durch die Versuche lernten sie zum Beispiel besser zu verstehen, wie Organe in Lebewesen genau arbeiten. Forscher führen Tierversuche auch durch, um neue Medikamente zu entwickeln. So wollen sie etwa herausfinden, ob die Mittel für Menschen ungefährlich sind. Und ob sie so wirken, wie sie wirken sollen.

Ohne diese Tests dürfte man Impfstoffe und andere Medikamente bei uns gar nicht verkaufen. Die Hersteller müssen überprüfen, ob die Mittel gefährlich für Mensch und Umwelt sein könnten. Deshalb werden sie zuerst Tieren verabreicht.

Für solche Untersuchungen gibt es strenge Regeln. Jeder Tierversuch muss bei uns angemeldet werden. Auf diese Weise will der Staat die Tiere schützen. Niemand soll einem Tier ohne vernünftigen Grund Schaden zufügen. „Trotzdem nehmen wir für unsere Zwecke das Leid des Tiers in Kauf“, erklärt die Wissenschaftlerin Barbara Grune. „Aber wer Tiere liebt, möchte das eigentlich nicht.“

Barbara Grune kennt sich mit der Geschichte und der Bedeutung von Tierversuchen aus. Sie weiß: „Sich für oder gegen Tierversuche zu entscheiden ist schwierig abzuwägen.“ Einerseits will niemand den Tieren Leid zufügen. Andererseits könnten Ärzte ohne die Versuche nicht so viele Menschen heilen. Ist unser Leben wichtiger als das Leben der Tiere? Oder sollten alle Lebewesen gleich geachtet werden?

„Tierschützer haben viel dafür getan, unseren Umgang mit Tieren zu überdenken“, sagt die Expertin. In vielen Ländern in Europa darf etwa keine Kosmetik mehr an Tieren getestet werden. Unsere Schönheit soll kein Anlass für das Leid eines Tiers sein.

Barbara Grune und ihre Kollegen suchen nach Wegen, wie man Tierversuche einschränken oder gar auf sie verzichten kann. Die Forscher erproben etwa, ob für manche Versuche auch ein paar Zellen von Menschen genügen würden. Diese Zellen lassen sich auf Nährböden in einem Labor künstlich vermehren. Forscher testen die Arzneistoffe dann an diesen Zellen.

Auch gibt es bereits Computer-Programme, die manche Vorgänge in einem Körper nachstellen können und dadurch Tierversuche ersetzen. Vielleicht gelingt es den Wissenschaftlern ja bald, komplett auf Tierversuche zu verzichten.

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