Paulas Nachrichten

„Blöd bedeutete unsportlich und schwach“

30.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Vielleicht hast du schon mal was vom Nibelungenlied gehört? Von der Geschichte des Königssohns Siegfried, der sich aufmacht, um den Schatz der Nibelungen zu holen? Das ist eine uralte deutsche Sage.

Die Sprache, in der sie verfasst wurde, ist zwar Deutsch. Aber nicht das, was wir heute sprechen – sondern Mittelhochdeutsch. Der Sprachforscher Gerhard Diehl hat „dpa-Nachrichten für Kinder“ erklärt, dass wir trotzdem manches in der mittelalterlichen Sprache verstehen können.

Was ist Mittelhochdeutsch?

„Mittelhochdeutsch wurde im Mittelalter gesprochen – also vor ungefähr 800 Jahren. Es ist ein anderes Deutsch als das, was wir heute sprechen. Dass sich Sprachen verändern, ist normal. Mit der Zeit verändert sich zum Beispiel der Wortschatz. Für die verschiedenen Formen des Deutschen haben sich Wissenschaftler deswegen Namen ausgedacht. Heute sprechen wir Neuhochdeutsch.“

Wie erforscht man Mittelhochdeutsch?

„Weil es damals ja noch keinen Computer gab, haben die Menschen alle Texte mit der Hand geschrieben. Sie sind für uns heutzutage kaum lesbar. Manchmal tauchen solche Texte zufällig auf – zum Beispiel in alten Bibliotheken. Forscher entziffern dann die alten Handschriften und vergleichen: Wie war etwa früher die Grammatik? Oder was können wir mit Hilfe der Texte über das Leben und die Menschen im Mittelalter erfahren?“

Können wir Mittelhochdeutsch verstehen?

„Teilweise schon. ,Mein neues Haus‘ heißt zum Beispiel auf Mittelhochdeutsch ,mîn niuwez hûs‘ (gesprochen: mien nüwes huus). Das klingt ähnlich. Aber um Mittelhochdeutsch richtig gut verstehen zu können, braucht man meistens schon ein Wörterbuch.“

Was ist der Unterschied zum heutigen Deutsch?

„Knifflig wird’s manchmal bei Wörtern, die es damals schon gab und heute noch gibt. Denn sie hatten im Mittelhochdeutschen oft eine andere Bedeutung. Wenn damals jemand etwa ,bloede‘ genannt wurde, hieß das nicht, dass er dumm war – ,blöd‘ bedeutete unsportlich und schwach.“

In der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe wird die kostbare Handschrift C des Nibelungenliedes gezeigt. Foto: Uli Deck

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