Paulas Nachrichten

Bimbam zu den Olympischen Spielen

26.07.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Überall sollen am Freitag (27. Juli) die Glocken klingen in London und Großbritannien. Sie läuten die Olympischen Spiele ein. Auch Kirchen-Glocken sind dann zu hören. In London werden sie per Hand von Glöcknern geläutet. Einer dieser Glöckner erklärt einer Reporterin, wie das geht.

Londons größte Glocke Grafik: S. Stein

Simon Meyer wartet schon vor dem Kirchturm der Kirche St Mary-le-Bow. Sie steht im Zentrum von London, der Hauptstadt Großbritanniens. Wir sind verabredet. Simon ist Glöckner und zeigt mir, wie man die Glocken läutet. Durch eine große, alte Holztür kommen wir in den Vorraum des Kirchturms. Von hier aus klettern wir eine schmale, steile Wendeltreppe nach oben – bis zu einer Tür. Wir müssen den Kopf einziehen, um eintreten zu können.

Ich sehe einen großen, runden Raum mit vielen Bildern an der Wand und zwölf dicken Seilen, die von der Decke hängen. An ihren Enden sind sie miteinander verbunden. „Von hier aus werden die Glocken geläutet“, sagt Simon. Aber wo sind die Glocken? Ich sehe nur Seile. „Die Glocken sind ein Stockwerk weiter oben. Sie sind durch Löcher in der Wand mit den Seilen verbunden.“ Ach so! Jetzt nimmt Simon Meyer ein Seil in beide Hände. Er stellt sich kerzengerade hin und zieht mit einem schnellen Ruck an dem Seil. Ein „Bimbam“ erklingt. Simon wiederholt die Bewegung mehrere Male und das „Bimbam“ tönt jetzt im gleichmäßigen Rhythmus.

Ich darf auch mal probieren. Es ist gar nicht so einfach, das Seil nach unten zu ziehen. Daran hängt schließlich eine 750 Kilogramm schwere Glocke. Das ist so, als müsste ich 750 Tüten Mehl nach unten ziehen. Aber zumindest kommt bei mir ein Ton heraus. „Wenn die zwölf Glocken gleichzeitig läuten, dann wird es richtig laut und feierlich“, sagt Simon.

Jetzt stapfen wir die Wendeltreppe weiter nach oben, bis zu einer anderen, sehr kleinen Tür. Sie führt ins Glockenzimmer. Hier hängen die zwölf Glocken in verschiedenen Größen an einem Holzgerüst. „Die größte Glocke wiegt zwei Tonnen“, sagt Simon. Das ist so viel wie etwa 24 Männer. Eine dicke Staubschicht liegt auf den Glocken. Sie hängen hier so seit 56 Jahren, seit dem Jahr 1956. Zu der Zeit wurde der Kirchturm neu aufgebaut. Denn er war vorher im Krieg zerstört worden. Wir klettern noch weiter hinauf. Was kommt jetzt? „Nichts mehr, was mit den Glocken zu tun hat“, sagt Simon. Wir stehen vor einer weiteren Tür. Hinter ihr verbirgt sich ein Balkon. Wir sind auf 68 Metern Höhe. Auf einmal schaut die große Stadt London ganz klein aus. Und Simon schwärmt: „Hier gehe ich nach dem Glockenläuten gerne hin, weil man eine wunderbare Sicht auf die Stadt hat.“

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