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Baris muss im Laden mit anpacken

06.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Baris zupft sich seine graue Schuluniform zurecht. Es ist 17 Uhr und der türkische Junge kommt gerade vom Englischunterricht. „Später möchte ich mal durch die Welt reisen, um alles kennenzulernen“, sagt der Elfjährige. Baris lebt mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in der türkischen Großstadt Istanbul. Jetzt aber sitzt er erst mal auf dem Sofa seiner Eltern und hält sich an einem dicken Kissen auf seinem Schoß fest.

Er geht in die sechste Klasse der Grundschule, sagt er. Im Schulsystem der Türkei entscheidet sich in diesem Jahr, auf welche weiterführende Schule er gehen darf. Deswegen sind gute Noten jetzt wichtig. Der Stress ist groß, sagt Baris. Dazu kommt, dass sein 14-jähriger Bruder Burak als einer der besten Schüler seiner Schule ausgezeichnet wurde. Die Erwartungen sind deswegen auch bei Baris hoch.

Die Eltern sagen aber, ihr jüngerer Sohn sei eher ein künstlerischer Typ. Seit er im Fernsehen die japanische Zeichentrickserie „Yu-Gi-Oh“ gesehen und Musik der deutschen Band Rammstein gehört hat, ist er ein großer Fan von beidem. Baris kann alle deutschen Texte der Rockgruppe mitsingen. Seinen eigenen großen Musik-Auftritt hatte er bei einem internationalen Festival seiner Schule.

Dabei spielte er auf der Bühne zur Musik von Rammstein den Sänger. Die Schule jubelte ihm zu. „Nach dem Auftritt habe ich gedacht, jetzt fang ich an, E-Gitarre zu lernen“, sagt Baris. Damit ist es bisher aber noch nichts geworden.

Dafür bekam Baris aber schon einen Vorgeschmack aufs harte Schuften in einem Verkaufs-Job. Sein Vater führt einen Laden in dem großen Basar Kapali Carsi – so heißt ein Geschäftsviertel. Der Vater verkauft dort Kaffee und Tee.

Und wie viele türkische Kinder und Jugendliche mussten Baris und Burak während der drei Monate langen Sommerferien im Geschäft helfen. Dafür haben sie ein Taschengeld bekommen. In der Türkei wird es als gute Vorbereitung auf das spätere Leben betrachtet, wenn Kinder mithelfen.

Manche Eltern sind aber auch auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen, damit ihr Laden funktioniert. Sie können es sich nicht leisten, dafür andere Leute einzustellen. Bei Baris ging es mehr um die Übung.

Und nach der Arbeit kam dann das Vergnügen. Mit seinen Eltern machte er nämlich im Sommer auch eine Rundreise durch die Türkei.

Der elfjährige Baris (links) lebt in Istanbul in der Türkei. Er steht am Nachmittag mit seinem Vater und dem älteren Bruder Burak draußen auf einem Spielplatz. Er geht in die sechste Klasse der Grundschule, sagt er. Im Schulsystem der Türkei entscheidet sich erst im sechsten Schuljahr, auf welche weiterführende Schule ein Schüler gehen darf. Deswegen sind gute Noten für Baris jetzt besonders wichtig. Foto: Carsten Hoffmann

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