Paulas Nachrichten

Aus Licht und Schatten wird Theater

21.03.2015, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei dieser Theaterform ist die Phantasie der Zuschauer ein wichtiges Detail

Zwei Dinge sind für dieses Theater besonders wichtig: Licht und Schatten. Mit diesen beiden Dingen können Theatermacher tolle Geschichten erzählen.

„Ohne das hier geht es auf keinen Fall“, sagt Elke Siegburg. Sie geht zum Lichtschalter – und klack. Das Licht ist aus, der Raum ist fast komplett dunkel.

Schatten-Theater ist schon sehr alt. Fachleute vermuten, dass es aus Asien stammt.

„Und ohne das hier geht es auch nicht“, sagt die Theater-Frau. Sie macht ein paar Schritte zurück und verschwindet hinter einer aufgestellten Wand. Es macht wieder klack – und hinter der Wand geht eine kleine Lampe an.

Die Figuren sitzen an Stäben. So lassen sie sich leicht bewegen. Auf der anderen Seite der Folie sieht man ein Mädchen, Pferde, Menschen – die Schatten lassen sich genau erkennen. Fotos: Stefanie Paul/dpa

Durch diese wird nun ein rechteckiges Fenster hell beleuchtet. „Das ist die Theaterbühne“, ruft Elke Siegburg hinter der Wand hervor.

Das kleine Fenster ist mit einer besonderen Folie bespannt. Einer sogenannten Opera-Folie. Die ist besonders stabil und glatt.

Wenn das Licht darauffällt, wird es gleichmäßig verteilt. Das ist wichtig, damit man die Schatten später auch gut erkennen kann.

Jetzt kann es losgehen. Tatsächlich – in dem hellen Fenster tauchen die Schatten auf: ein Mädchen, das mit dem Finger nach oben zeigt. Zwei Pferde, die aufsteigen und wild mit den Hufen schlagen. Dazu eine Menge Menschen. Sie alle warten auf den Kaiser. Denn der hat neue Kleider bekommen und er will sie nun seinen Untertanen zeigen.

In dem Stück wurde der Kaiser hereingelegt, von zwei Betrügern. Sie tun nur so, als würden sie dem Herrscher neue Klamotten schneidern.

Der Kaiser will nicht zugeben, dass er die Sachen nicht sehen kann. Am Ende läuft er nackig durch die Straßen. Er ist davon überzeugt, die tollsten Kleider anzuhaben. Das Märchen heißt „Des Kaisers neue Kleider“. Elke Siegburg führt es als Schatten-Theater auf.

„Schatten-Theater ist eine ganz besondere Form von Theater“, sagt sie. Sie steht hinter der Wand an einem hohen Tisch und erklärt: Man braucht dafür nur Licht und Dunkelheit, eine Leinwand und die Figuren. „Und den Rest“, sagt Elke Siegburg, „den erledigt die Fantasie.“

In ihren Händen hält sie eine Art Stab. Er ist aus einem stabilen Draht geformt. Am vorderen Ende sind die Figuren festgemacht. Das sind gerade zwei Pferde, die über die Leinwand traben. Mit Hilfe des Stabes werden sie ganz leicht hin und her bewegt. Dabei leuchtet die Lampe die Figuren an. So werfen sie einen Schatten. Diesen sieht man auf der Leinwand.

„Man kann sich die Figuren ganz einfach selbst basteln“, verrät die Puppenspielerin. Sie zeigt auf den Tisch vor sich, dort liegen schon die Figuren für die nächste Szene bereit. Die Profis basteln ihre Figuren mit Künstler-Karton. „Aber auch die Verpackung einer Tiefkühl-Pizza kann man dazu nehmen“, sagt Elke Siegburg.

Dann ist das Stück zu Ende. Klack – Licht aus.

Doppelt gemoppelt

Wenn ein neues Schatten-Theater-Stück entwickelt wird, wird viel überlegt. Zum Beispiel, was eine Figur alles können muss: Soll sie das Bein heben? Oder mit dem Arm wackeln? Soll sie einmal dieses Kleid anhaben und später ein anderes? „Für all das mache ich jeweils eine eigene Figur“, verrät die Fachfrau.

Dabei ist es zum Beispiel wichtig, ob die Figur von rechts nach links läuft – oder umgekehrt. Denn auch dafür muss es zwei Figuren geben. Eine für rechts und eine für links. Im Schatten-Theater kann man die Figuren nämlich nicht einfach umdrehen. Das hat einen Grund: An der Rückseite ist eine Art Stab befestigt. An diesem werden die Figuren festgehalten und geführt.

Schnörkel und Verzierungen

Schatten-Theater gibt es schon seit vielen Hundert Jahren. Wo es genau erfunden wurde, weiß man allerdings nicht. Die Fachleute vermuten aber, dass das Schatten-Theater in Asien seinen Ursprung hatte. In den Ländern China, Indien und Indonesien.

Die Figuren waren früher aus Pergament gemacht. Das ist Tierhaut. Sie waren farbig bemalt und hatten tolle Verzierungen mit vielen Schnörkeln.

Vor rund 400 Jahren kam das Schatten-Theater wohl nach Europa. Auf Verzierungen hatte man dort allerdings eher keine Lust. Die Figuren wurden aus Pappe, Holz oder Metall gemacht.

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