Paulas Nachrichten

Aus Feinden sollen Freunde werden

12.07.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wie kann man auf der Welt für Frieden sorgen? Mit dieser Frage beschäftigen sich viele Leute. Und es gibt Projekte, die versuchen, verfeindete Gruppen zusammenzubringen. So ein Projekt ist das „Jugend-Friedenscamp“.

Sie sitzen gemeinsam an einem Tisch. Und sie reden über ernste Themen: über Krieg und Frieden. Rund 60 Jugendliche sind gerade für einige Tage in einem Camp, das die Welt ein bisschen friedlicher machen soll. Denn sie kommen aus Ländern, in denen es viel Feindschaft gibt. Das ist zum Beispiel bei Mryana Hanna Wadi Imseeh so. Sie ist 20 Jahre alt und lebt im Westjordanland. Das Gebiet liegt im Nahen Osten. Schon seit vielen Jahren gibt es Gewalt zwischen den Menschen, die hier leben: Palästinensern und Israelis.

„Der Krieg ist mein täglicher Begleiter, die Angst ist allgegenwärtig“, sagt die Palästinenserin. Und sie meint: „Von den Menschen auf der anderen Seite des Krieges weiß ich wenig.“ In dem Jugend-Friedenscamp in Rust in Baden-Württemberg ändert sich das ein wenig. Hier trifft sie auf den Israeli Imri Kalmann. Die beiden reden viel miteinander. Und genau das ist das Ziel des Camps.

Junge Leute sollen versuchen, die Seite der anderen zu verstehen. Und sie sollen sich kennenlernen und vielleicht sogar anfreunden. Deshalb übernachten die Jugendlichen in dem Camp auch gemeinsam in Zelten. „Wenn zwei Menschen abends am Lagerfeuer sitzen und lachen, dann können sie am nächsten Tag nicht aufeinander schießen“, findet der 21 Jahre alte Raul Gulmammadov aus Aserbaidschan. Beim einmaligen Kennenlernen soll es aber nicht bleiben. Die Jugendlichen im Camp sollen sogenannte Friedens-Botschafter werden.

Sie sollen zum Beispiel ihre guten Erfahrungen mit der verfeindeten Gruppe weitererzählen. Damit sollen sie in ihren Ländern zum Beispiel für mehr gegenseitiges Verständnis werben. „Einen Krieg zu führen ist schnell und einfach. Frieden zu stiften und zu erhalten, das ist ein harter und langer Weg“, meint Imri Kalmann.

Jugendliche sitzen im Europapark in Rust im Europarat-Friedenscamp auf dem Boden zusammen. Foto: Patrick Seeger

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