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Auf der Suche nach den Meerengeln

04.06.2016, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Engelhaie sind sehr scheu und können sich gut am Meeresboden verstecken

Sie haben einen merkwürdigen Namen. Sie leben am liebsten versteckt im Sand. Und sie sind fast ausgestorben: die Meerengel. Man nennt sie auch Engelhaie! Die Forscherin Eva Meyers versucht, mehr über die bedrohten Tiere herauszufinden.

Das Foto zeigt einen Engelhai, der im Rahmen des Angel Shark Projects mit einer rosa Markierung versehen wurde. Foto: Michael Scholl/Save Our Seas Foundatio

Wale sind Eva Meyers irgendwie zu schön. Und Delfine ein bisschen zu niedlich. „Haie dagegen haben etwas Geheimnisvolles. Man muss ihre Schönheit zuerst entdecken“, sagt sie. Die zierliche Frau mit den dunkelbraunen Haaren erforscht Haie. Sie arbeitet in der Stadt Bonn im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Eva Meyers beschäftigt sich mit ei-ner besonderen Hai-Art: den Engelhaien. Man  nennt  sie  auch  Meerengel. Der Name hat mit der Form ihrer Flossen zu tun. Denn diese sehen ein bisschen wie Flügel aus.

Engelhaie gibt es fast überall auf der Welt. Doch in Europa sind sie beinahe ausgestorben! Im Mittelmeer zum Beispiel findet man die Tiere nur noch extrem selten. „Viele Engelhaie landen aus Versehen in den Netzen der Fischer“, erklärt die Expertin.

Aber es gibt einen Ort, wo sich noch viele Engelhaie tummeln: bei den Kanarischen Inseln im Atlantik. Diese liegen vor der Küste Nordafrikas. Et-wa viermal im Jahr reist Eva Meyers dorthin, um die Tiere zu erforschen. „Wir wissen über diese Haie bisher nur sehr wenig“, sagt sie. Eines hat die Forscherin schon herausgefunden: Besonders viele Haie leben vor der Insel Gran Canaria und vor Lanzarote. Das habe vielleicht mit der kälteren Meeresströmung zu tun, vermutet sie. Denn die Strömung sorgt dort für besonders viel Nahrung.

Gerade war Eva Meyers wieder auf Forschungs-Reise unterwegs. Im Gepäck hatte sie kleine, bunte Markierungen. Diese wurden mit einer Art Tacker an einigen Haien festgemacht. „Das tut den Tieren aber nicht besonders weh. Es fühlt sich etwa so an, wie wenn wir uns einen Ohrring stechen lassen“, sagt die Expertin.

Die Markierungen haben unterschiedliche Farben. Ein Hai, der vor der Insel Gran Canaria entdeckt wird, bekommt eine rosafarbene Markierung. Die Haie vor Lanzarote eine grüne. Auf den Markierungen ist außerdem ein kleiner Code. Jeder Hai bekommt eine eigene Nummer.

„Und jetzt kommen die Tauchschulen und die Fischer ins Spiel“, erklärt die Forscherin. Denn wenn diese einen Hai entdecken oder aus Versehen fangen, sollen sie den Code auf seiner Markierung ablesen. Dann können sie ihn in eine Datenbank eintragen.

Diese Daten sind für die Forscherin extrem wichtig. Denn damit kann Eva Meyers viel über das Verhalten der Tiere herausfinden. Zum Beispiel, ob sie immer am gleichen Ort bleiben.

„Denn eigentlich leben die Haie in Bodennähe und halten sich auch gerne im flachen Wasser auf. Dort graben sie sich im Sand ein und lauern auf Beute“, erklärt die Forscherin. Mit Hilfe der Daten will sie untersuchen, ob die Haie vielleicht doch zwischen den Inseln hin und her schwimmen – obwohl das Wasser dort zu tief ist. Das würde verraten, wie sich die Haie verbreitet haben.

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