Paulas Nachrichten

Auch Paula kann die Ohren spitzen

30.06.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas gewatschelt. Es war ganz schön warm. Ich hatte deshalb richtig Durst. „Puh“, habe ich gesagt, „jetzt könntest du mir etwas zu trinken anbieten!“

Der Andreas war gerade auf dem Weg zur Terrasse. Er hat im Vorbeilaufen etwas gesagt. Ich habe es nicht so richtig verstanden. Es hat geklungen wie: „Klar, hol’ dir doch in der Küche einen Pudel!“

Deshalb habe ich geschnattert: „Was? Du hast einen Pudel in der Küche? Warum das denn? Beißt der? Und was hat der mit meinem Durst zu tun?“

Der Andreas hat mich angeguckt wie ein Auto. Mit ganz großen Augen. Wie ein Lastwagen. Dann hat er gesagt: „Pu-pu-pu-pudel? Hä? Ach so! Du hast mich wieder einmal falsch verstanden. Ich habe nicht Pudel gesagt. Ich habe Sprudel gesagt. S-p-r-u-d-e-l. Du solltest echt einmal deine Ohren spitzen!“

Jetzt habe ich ihn komisch angeguckt. „Soll ich meine Ohren spitzen wie man einen Bleistift mit einem Bleistiftspitzer spitzt? Aua! Das muss doch wehtun!“

„So ein Quatsch! Das ist doch nur so eine Redensart. Das sagt man halt so. Das heißt so viel wie: ,Höre mir besser zu!‘ Oder: ,Konzentriere dich besser!‘ Der Spruch kommt aus der Tierwelt. Die Katzen oder Hunde zum Beispiel stellen ihre Ohren manchmal ganz spitz und steil auf. Dann können sie besser hören.“

„Ach so“, habe ich gemeint, „dann geht das ja noch einmal!“

„Ja, ja“, hat der Andreas gesagt, „ich gebe ja die Hoffnung nicht auf! Du wirst ja immer älter. Und bei den Alten wachsen ja die Ohren immer weiter.“

„Wie bitte?“, habe ich gefragt. Denn ich habe das wieder nicht richtig verstanden. Ich habe geschnattert: „Aber die Alten hören doch viel schlechter! Dann müssten doch die Ohren von denen schrumpfen!“

„Das hast du dir gut überlegt, liebe Paula“, hat der Andreas mich gelobt. „Tatsächlich hören alte Menschen oft schlechter als junge. Da altern verschiedene Teile im Gehörapparat und dann hört man schlechter. Aber die Ohren wachsen trotzdem immer weiter. Weil die Menschen im Alter ein bisschen kleiner werden, fällt das richtig auf. Aber die Ohren bestehen aus Knorpel. Und Knorpel wächst immer weiter im Gegensatz zum Rest des Körpers. Vielleicht gleichen die Ohren damit ein bisschen von ihrem Hörverlust aus.“

Ich habe mal so ein bisschen mein wunderschönes rundes Entenköpflein abgetastet. Der Andreas hat das gesehen und hat mich gleich verstanden.

„Tja, liebe Paula“, hat er gesagt, „du hast ja gar keine Ohren! Hm, wie du dann nur hören kannst . . .“

„Na klar kann ich hören“, habe ich ihn angeschnattert. „Warum sollten wir schnattern können, wenn wir nicht hören könnten? Oder warum sollten meine Vogelkumpels sonst so schön zwitschern? Und natürlich haben wir Vögel deshalb sehr wohl was zum Hören. Wir haben Ohröffnungen. Wir haben bloß nicht so komische Knorpelteile an unserem schönen runden Kopf hängen wie ihr. Wie würde das denn auch aussehen! Wir haben unsere Ohröffnungen unter dem Gefieder versteckt! Mir gefällt das viel besser. Ich weiß gar nicht, warum euch Menschen so große Knorpelohren besser gefallen!“

„Jetzt reg’ dich mal nicht so auf“, hat mich der Andreas beruhigt. „Die Ohren sind doch kein Schmuck. Wir haben die Ohrmuschel aus Knorpelmaterial zum besseren Hören. So sammeln unsere Ohren die Schallwellen besser ein. Deshalb helfen die wachsenden Ohren im Alter ja auch wahrscheinlich beim Hören. Außerdem merken wir so besser, wo ein Geräusch herkommt.“

„Ach, aber ich weiß auch, wo ein Geräusch herkommt. Und ich habe keine Ohrteile hängen“, habe ich gesagt.

„Ja, klar“, hat der Andreas gesagt. „Das kann ich dir aber erklären. Bei den Menschen geht das so: Die Schallwellen gehen in die Ohrmuschel. Und dort werden sie umgelenkt. Wie ein Ball von einer Mauer. Und dann merkt das Hirn besser, wo der Schall herkommt. Und bei euch Vögeln ohne Ohrmuschel übernimmt das der ganze Kopf. Die ganz spezielle Kopfform verformt den Schall. Und euer Gehirn berechnet dann, wo der Schall herkommt.“

„Ha, klar, wir Vögel sind halt besonders schlau. Weil wir alles mit Köpfchen machen!“, habe ich losgeschnattert.

Der Andreas hat mich dann in den Arm genommen. Und er hat mir über mein Entenköpflein gestreichelt und gesagt: „Genau! Aber deshalb kannst du trotzdem die Ohren spitzen. Und mir mal den Sprudel geben. Hast du gehört? Nicht den Pudel! Den Sprudel! Nach so viel Erklärungen und Gelaber habe ich nämlich immer so richtig Durst!“

Wir haben tatsächlich ein richtig schönes Gläschen kühlen Sprudel zusammen getrunken. Ich hatte den Andreas nämlich mit meinen versteckten gespitzten Ohren richtig verstanden. Eure Paula

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