Paulas Nachrichten

Auch ein Teddy hat Träume

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eine Weihnachtsgeschichte von Astrid Nagel

Es war einmal ein Teddybär. Er lebte in einem Spielwarengeschäft, genauer gesagt im Regal Nummer 13 der Spielwarenhandlung Kurz & Sohn, direkt zwischen einer braun gefleckten Stoffgiraffe und einem grauen Plüschelefanten.

Es war ein kleiner, unscheinbarer Teddybär, der neben den beiden prächtigen exotischen Tieren irgendwie verloren wirkte. Und es war ein unglücklicher Teddybär. Jeden Tag musste er mit ansehen, wie Kinder in das Geschäft stürmten und sich auf dröhnende Computerspiele oder affige Barbie-Puppen stürzten.

Auch die Erwachsenen waren nicht besser. Mit langen Wunschzetteln ihrer Kinder in ihren Händen oder dem Reklametext für den neuesten Spielwarenhit in ihren Köpfen drängten sie in seine Welt und beachteten ihn nicht einmal. Dabei wünschte er sich nichts sehnlicher, als bei einem kleinen Menschen zu leben und diesen glücklich zu machen. Er würde immer Zeit für ihn haben. Er würde sich seine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte anhören. Er würde Freude und Kummer mit ihm teilen, mit ihm lachen und weinen . . . oder einfach nur da sein.

Doch die Kinder wollten ihn nicht. Er war ein überholtes Auslaufmodell, und deshalb war er aus tiefstem Herzen traurig. Seine Augen verloren den Glanz, sein Fell wurde matt und struppig und seine Mundwinkel bogen sich vor Trauer und Enttäuschung nach unten. Aber dann, eines Nachts, als er schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, geschah etwas, das sein kleines Leben für immer verändern sollte.

Es war Punkt 24 Uhr, als eine dunkle Gestalt den Laden betrat. Natürlich war das Geschäft um diese Zeit längst geschlossen, und so beobachtete Teddy den späten Besucher voller Argwohn. Dieser schlenderte gemächlich durch die menschenleeren Gänge, plauderte mal hier, mal dort mit einem der Spielzeuge, um schließlich zielstrebig genau auf das Regal Nummer 13 zuzugehen.

Teddy versteckte sich schnell hinter dem breiten Rücken des Elefanten und blinzelte ängstlich dem fremden Mann entgegen, als dieser sich direkt vor ihm aufbaute. Es war ein alter Mann mit einer roten Mütze, einem roten Mantel, einem weißen Bart und den gütigsten Augen, die Teddy jemals gesehen hatte.

„Warum bist du so traurig?“, sagte der alte Mann. „Bald ist Weihnachten, das Fest der Freude und der Liebe.“

„Aber niemand liebt mich“, stotterte der Teddy aufgeregt. „Keiner möchte einen Teddybären haben, der weder kämpfen, noch funkeln oder lärmen kann. Ich bin einfach zu langweilig.“

„Ist das wirklich deine Überzeugung?“, fragte der alte Mann mit sanfter Stimme. „Dann komm mit, ich werde dir etwas zeigen.“

Und er nahm den kleinen Teddybären in seinen Arm und flog mit ihm davon. Sie verließen das Spielwarengeschäft und schwebten über die tief verschneite Stadt. Über ihnen funkelten unzählige Sterne am nachtschwarzen Himmel, während die weiße Schneepracht unter ihnen im silbernen Licht des Mondes wie verzaubert glitzerte. Es war still. Friedlich. Die kleine Stadt schlief und nur aus einzelnen Fenstern fiel noch ein schwacher goldener Schimmer.

Teddy betrachtete mit großen Augen all diese wundervollen Dinge, als der alte Mann mit ihm durch eines der dunklen Fenster schwebte und sanft in dem dahinter liegenden Zimmer landete. Es war ein Kinderzimmer, das erkannte der kleine Teddybär auf den ersten Blick. Überall lagen Spielsachen herum, lieblos hingeworfen und liegen gelassen. In einer Ecke des Zimmers stand ein Computer, neben dem sich verschiedene Spiele stapelten. Weitere Schachteln lagen leicht verstaubt auf einem total überfüllten Regal daneben.

„Schau es dir genau an“, flüsterte der alte Mann. „All die Spielsachen, die du so beneidet hast, sie liegen hier achtlos auf dem Boden herum.“

Teddy staunte mit offenem Mund. So hatte er sich das nicht vorgestellt. „Und nun sieh dir das an“, fuhr der alte Mann mit leiser Stimme fort und trat an ein Bett, das in der anderen Ecke des Zimmers stand.

Ein Mädchen lag darin. Teddy konnte nur die kleine Nase sehen, da der Rest ihres Gesichtchens von einer Flut blonder Haare verdeckt war. Sie schlief tief und fest. Ihre Arme hielten einen kleinen braunen Teddybären eng umschlungen.

„Sie hat ihn schon vor vielen Jahren bekommen“, erklärte der alte Mann. „Aber noch immer liebt sie ihn. Natürlich lässt auch sie sich oft von anderen Dingen begeistern, aber der Einzige, dem sie die Treue hält, ist dieser kleine Bär. Drum gräme dich nicht, keines der topaktuellen Spielzeuge zu sein, sondern freue dich darüber, dass du etwas ganz Besonderes bist. Hab Geduld und warte auf den Tag, an dem auch du dein Zuhause finden wirst.“

Als Teddy wieder zu seinem Regal zurückgekehrt war, musste er ständig an den alten Mann und seine Worte denken. Sie hatten etwas in seinem Herzen zum Klingen gebracht, das spürte er tief in sich. Und je länger er darüber nachdachte, umso mehr veränderte er sich: Sein Fell wurde glatt und glänzend, sein Mund lächelte und seine Augen strahlten in stiller Vorfreude auf das, was kommen würde. Irgendwann. Wenn er nur geduldig warten würde. Wenn er nur ganz fest daran glaubte.

Dann, einige Tage später, geschah das zweite Wunder. Ein Kind kam in den Laden und schlenderte unschlüssig durch das Riesenangebot von Spielsachen. Schließlich trat es vor das Regal Nummer 13, sah dem kleinen Teddy in die Augen, schob Giraffe und Elefant zur Seite, nahm ihn in die Arme und ließ ihn nie wieder los.

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