Paulas Nachrichten

Am liebsten Präsident: Straßenjungen in Haiti

12.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Am 12. Januar vor einem Jahr wackelte in Haiti schlimm die Erde. Das Beben richtete viel Zerstörung und Kummer an. Und noch immer ist in Haiti nicht alles wie früher. Zwei frühere Straßenjungen erzählen aus ihrem Leben.

Auch in Haiti sind die Weihnachtsferien nun vorbei. Der 16-jährige Roody Jacques und seine Freunde kehren deshalb allmählich von ihren Familien zurück. Dort hatten sie die Feiertage verbracht. Roody (gesprochen: Rudi) lebt in einem Heim für Kinder und Jugendliche in Port-au-Prince. Das ist die Hauptstadt von Haiti, einem Land auf einer Insel in der Karibik. Mit dem Flugzeug braucht man von Deutschland aus mehr als zehn Stunden dorthin. In dem Heim bekommt Roody Essen und Trinken. Und er muss zur Schule gehen. Das war nicht immer so. Als er noch kleiner war, lebte Roody auf der Straße. Er wohnte also nicht zu Hause bei seiner Familie und hatte kein eigenes Bett. Roody war nämlich von zu Hause weggelaufen. Er hatte sich heftig mit seiner Mutter gestritten. „Die wollte, dass ich bei der Hausarbeit mithelfe“, erzählt er. „Darauf hatte ich aber keine Lust.“ Seine Mutter schlug ihn. Roody riss aus und war seitdem ein Straßenjunge. Er wusch Autos, um etwas Geld zu verdienen. Weil das Leben als Straßenjunge hart und gefährlich ist, kümmerten sich Erwachsene um ihn und holten ihn in das Heim. „Auf der Straße hatte ich immer Ärger“, erzählt Roody. Im Heim ist zwar alles sehr einfach. Roody muss dort auch Hausarbeit machen. Er kehrt zum Beispiel das Zimmer, das er sich mit 15 anderen Jungs teilen muss. Doch besser als auf der Straße ist es allemal. Zurück zu seiner Familie ist er nicht gegangen. „Mit meiner Mutter verstehe ich mich inzwischen aber wieder ganz gut.“ Zu Roodys Freunden gehört auch Michel Salnave. Er ist ein Jahr jünger als Roody. Auch er hatte Glück und überlebte das Erdbeben vor einem Jahr. Michel träumt davon, dass seine Heimat bald wieder so aussieht wie vor dem Beben. „Ich möchte, dass Haiti wieder die ,Perle der Karibik‘ wird“, sagt er. Um dabei mithelfen zu können, will er später am liebsten der Präsident des Landes werden. Erst einmal haben Roody, Michel und die anderen Jungen aber andere Sorgen. Weil das Trinkwasser in Haiti oft verschmutzt ist, stecken sich viele Menschen mit einer gefährlichen Krankheit an. Sie heißt Cholera. Dabei bekommt man einen sehr schlimmen Durchfall. Außerdem muss man brechen. Man kann daran sogar sterben. Damit die Cholera-Bakterien nicht so leicht in ihren Körper gelangen, müssen die Jungen sich immer gründlich die Hände waschen. Außerdem dürfen sie niemals die Hand in den Mund nehmen. Aber in ihrem Heim ist es viel sicherer als in ihrem früheren Leben auf der Straße. Dort mussten sie immer dreckiges Wasser trinken. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei.

Paulas Nachrichten