Paulas Nachrichten

31.05.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Wer bei einer Wahl die meisten Stimmen bekommt, den bezeichnen Journalisten als Stimmenkönig. Bei der Gemeinderatswahl in Nürtingen nun bekam Dr. Michael Brodbeck die meisten Stimmen (7558), wurde also folgerichtig in unserer Berichterstattung zum Stimmenkönig gekrönt. Zumindest eine Leserin war mit diesem (mutmaßlich chauvinistischen) Prozedere nicht einverstanden und rief bei uns im Redaktionssekretariat an. Redakteur Uwe Gottwald (wohlgemerkt: als Verfasser waren eine Redakteurin und ein Redakteur genannt) hätte es versäumt, die Stimmenkönigin zu benennen, monierte sie. Allerdings meinte sie damit nicht, dass tatsächlich eine Frau die meisten Stimmen bekommen hätte. Vielmehr müsste auch die Frau mit den meisten Stimmen – also quasi geschlechterspezifisch betrachtet – als Stimmenkönigin gewürdigt werden. Wir sind ja nicht so, den Namen der Nürtinger Stimmenkönigin (geschlechterspezifisch betrachtet) liefern wir nach: Es ist Julia Rieger, die 6006 Stimmen bekam, also unter den vier gewählten Frauen die Nase vorn hatte.

 

In unserer Berichterstattung über das Wahlergebnis in Neuffen wurde übrigens Elke Muckenfuß zur Stimmenkönigin (2074 Stimmen) erhoben – was zumindest insofern nicht falsch ist, als sie unter den Frauen die meisten Stimmen bekam. Die meisten Stimmen überhaupt gingen dort aber an Werner Mönch (2189). Die Redakteurin, die diesen Text verfasst hat, mochte ihm dafür offenbar nicht die Krone des Stimmenkönigs aufsetzen. Sicher keine böse Absicht. Was lernen wir daraus? Am besten wir lassen – zumal in einer Demokratie – den Königsquatsch künftig einfach weg.

 

Viele Berufsgruppen haben einen ganz eigenen Umgang mit der Sprache. Redakteure werden regelmäßig mit Polizistisch konfrontiert. Tagtäglich werden sie von der Pressestelle der Polizei mit Meldungen übers aktuelle Unfall-, Einbruchs- und Sittenstrolchgeschehen bedacht. Wenn zum Beispiel die Rede von einer „abgängigen Altenheimbewohnerin“ ist, dann heißt das nicht, dass die alte Dame, salopp formuliert, einen Abgang gemacht hat, sondern dass sie vermisst wird, weil sie schlicht nicht wieder ins Heim zurückgefunden hat. Wie tröstlich, dass die recht betagte Frau wenig später von Beamten „aufgegriffen und ins Revier verbracht“ werden konnte. Der Umstand, dass sie „gesund und munter an ihre Angehörigen überstellt werden konnte“, lässt vermuten, dass es bei dieser Aktion eher friedlich zugegangen sein dürfte.

 

Ein schönes Wochenende wünscht

 

Paulas Nachrichten

Paula will nicht auf dem Kopf stehen

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal ganz früh zum Andreas gewatschelt. Es war so warm. Deshalb habe ich nicht so lange schlafen können.

Der Andreas ist aber noch beim Frühstück gesessen. Die Redakteure fangen ja immer ein bisschen später mit dem Arbeiten an. Denn sie…

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