Leserbriefe

Die Bürger und das Hotel

22.06.2017 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Friedrich Röcker, Nürtingen. Zum Artikel „Wenig Begeisterung für Hotelpläne“ vom 21. Juni. Die Bürgerinformation am Montagabend sollte dazu dienen, den Bürgern die Vorzüge des geplanten Hotels am Neckar nahezubringen. Nach dem Ende der Präsentationen und vielen warmen Worten wurde zur allgemeinen Diskussion aufgerufen, um die Stimmung „der Bürger“ einzuholen.

Bereits der erste Redebeitrag monierte, dass diese Veranstaltung mindestens ein Jahr zu spät kommt. Was folgte, glich einem Tsunami, der über die Stadtspitze, die Planer und den Investor hereinbrach.

Die ständige Rede vom „Biergarten“ wurde als Feigenblatt entlarvt, mit dem die Kritiker des Vorhabens ruhiggestellt werden sollten. Tatsächlich handelt es sich um eine Hotel-Terrasse in zweieinhalb Meter Höhe, die dem Grün an der öffentlich geförderten Fischtreppe abgetrotzt werden soll. Es gab nicht einen Redebeitrag, der sich für den vorliegenden Entwurf aussprach, und dies, obwohl sich „der Gemeinderat mit großer Mehrheit“ (so Beigeordneter Andreas Neureuther) für diesen Entwurf ausgesprochen hatte.

Nun wäre die Gelegenheit gewesen, dass die Befürworter des Projekts den Entwurf erläutern, begründen und gegen die zahlreichen Kritikpunkte hätten verteidigen können. Allein, es war kein Gemeinderat anwesend, der für den Entwurf gestimmt hatte.

Schade, es wäre eine prima Gelegenheit gewesen, die positiven Aspekte des Projekts aus der Sicht des Gemeinderats darzustellen und der Bürgerschaft zu erklären, weshalb Nürtingen dieses Hotel an diesem Platz braucht. Diese Chance haben die Projektbefürworter des Gemeinderats leider nutzlos verstreichen lassen.

Demokratie lebt vom Diskurs, der ausführlichen Argumentation für den eigenen Standpunkt, der gemeinsamen Abwägung von Vor- und Nachteilen und letztlich vom Kompromiss, den sogar der Investor in seinem Schlusswort anmahnte. Diesem Teil des demokratischen Prozesses haben sich genau die Gemeinderäte verweigert, die bei anderen Gelegenheiten gerne ihre „kritischen“ Kollegen über die Funktionsweise der Demokratie belehren.