Sennerpokal 2017

Liebesgrüße aus der Bundesliga

17.07.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Über 2300 Zuschauer zum Auftakt des 58. Sennerpokals beim TSV Beuren machen bereits Tag eins des Traditionsturniers zu einem großen Fußballfest

Besser hätten sich die Organisatoren den Auftakt nicht wünschen können. Volle Ränge, Kaiserwetter und rassiger Amateurfußball sorgten gestern im Lettenwäldle beim Auftakt der 58. Auflage des Traditionsturniers der Nürtinger und Wendlinger Zeitung für exakt das Stadionfeeling, das die Beurener vorab versprochen hatten. Den Hingucker des Tages lieferte aber die Eröffnungsfeier, bei der sich die Zuschauer über Grußworte der besonderen Art freuen durften.

Mit dem Innenrist: Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber (am Ball) und Senner-Druckhaus-Geschäftsführer Markus Krichenbauer eröffneten gestern Nachmittag vor den Augen von Gerd Rebmann, Vorsitzender des TSV Beuren (rechts), beim traditionellen Anstoß den Sennerpokal 2017 ganz offiziell.

„Mir blutet das Herz, dass ich selber nicht vor Ort sein kann“, sagte Martin Harnik, ehemaliger VfB-Stuttgart-Profi und aktuell Stürmer bei Hannover 96, als er gestern Mittag verschmitzt von der großen LED-Leinwand im Beurener Lettenwäldle grinste und seine ganz speziellen Sennerpokalwünsche an das dort sich tummelnde Fußballvolk richtete.

Gut, zugegeben, bei dieser besonders innig vorgetragenen Liebeserklärung war zwar eine gewaltige Portion Augenzwinkern mit im Spiel, der großen Freude über die überraschende Ansprache eines Bundesligastars tat das bei den langsam eintrudelnden Zuschauern der Eröffnungsfeier aber natürlich keinen Abbruch. Zumal Harnik bei Weitem nicht der einzige Fußballprofi war, den die Beurener mithilfe ihres alten Vereinskameraden Christian Gentner dazu bewegen konnten, einen flotten Spruch als Heißmacher auf das achttägige Kultturnier ins Lettenwäldle zu funken. Während etwa Wolfsburgs Mittelfeldstratege Daniel Didavi seinen Jugendverein SPV 05 Nürtingen mit dem „besten Trainer von allen“ (seinen Vater Ignace) kurzerhand zum Topfavoriten erklärte, griff Herthas Mittelstürmer und ebenfalls Ex-VfBler Julian Schieber ganz tief in die Pathos-Schublade und rühmte den Sennerpokal von Berlin aus als nichts weniger als „eine der wichtigsten Trophäen der deutschen Fußballgeschichte“.

Recht hat er, wohlgemerkt. Das versteht sich natürlich von selbst. Denn dass sich der Sennerpokal als eines der größten Fußballturniere Süddeutschlands auch bei seiner 58. Auflage seinen Status als Zuschauermagnet bewahren dürfte, das deuteten gestern schon am ersten Tag die 2367 handgezählten Zuschauer an, die ins Täle gepilgert waren und wieder einmal für die einzigartige Sennerpokal-Atmosphäre sorgten.

Einer durfte natürlich in Beuren nicht fehlen: der derzeit wohl berühmteste Sohn der Gemeinde, VfB-Kapitän Christian Gentner. Der schlenderte zehn Minuten vor dem offiziellen und in den Augen von Stadionsprecher Reimund Elbe „technisch einwandfrei gespielten“ Anstoß durch Beurens Bürgermeister Daniel Gluiber und Senner-Druckhaus-Geschäftsführer Markus Krichenbauer ganz inoffiziell mit Frau und Kind durch den Haupteingang und fand nur lobende Worte für seinen Heimatverein. „Es ist aller Ehren wert, was die Beurener hier auf die Beine gestellt haben“, staunte Gentner über die mit sehr viel Arbeit perfekt vorbereitete Anlage, auf der auch dank der renovierten, 250 Sitzplätze aufbietenden Tribüne, den steilen Hängen am Sportheim und der Profifußball-tauglichen Großbildleinwand tatsächlich ein Hauch von Stadionfeeling aufkam.

„Das sind überragende Rahmenbedingungen für eine geniale Woche“

VfB-Kapitän Christian Gentner

„Das sind überragende Rahmenbedingungen für eine geniale Woche“, lobte Gentner, bevor er zu seiner „Tour de Händeschütteln“ aufbrach, die der sympathische und alles andere als abgehobene Profi aller Autogrammwünsche und Erwartungen zum Trotz mit Bravour meisterte. „Die Leute begegnen mir immer höflich und zuvorkommend. Man behandelt mich hier so wie den Jungen von früher. Das ist toll“, sagte der Bundesligastar, während er seinen Mitspielern von einst im Eröffnungsspiel gegen den TSV Grafenberg die Daumen drückte und sich am Ende zumindest über ein 1:1 und damit über die gewahrte Chance des TSV Beuren zur Teilnahme an der Zwischenrunde freuen durfte.

Mehr als zufrieden – nicht nur mit dem Spielverlauf der Auftaktpartie, sondern mit dem gesamten Turniertag an sich – waren gestern auch die beiden Vorsitzenden des TSV Beuren, Gerd Rebmann und Ulrich Döbler. Die Anspannung war groß. Umso erleichterter zeigten sich die beiden beim Blick auf das lebhafte Treiben zwischen Festzelt, Haupteingang und den Plätzen eins und zwei. „Das war ein wirklich gelungener Auftakt. Besser hätten wir es uns nicht vorstellen können“, freuten sich beide trotz der „ein oder anderen noch verbesserungswürdigen Ecke und Kante“ über die fast ausschließlich positive Resonanz.

Mit der nagelneuen Sennerpokalhymne, die die Beurener Lukas Kamradek, Jessica Haug und Michael Gneithing zu einer nächtlichen Stunde getextet und schließlich bei einem Musikproduzenten in Osnabrück in Auftrag gegeben hatten, ging das große Auftaktbrimborium mit neun Spielen und 18 Teams stimmungsvoll zu Ende. „Der Cup kommt nach Hause ins Täle“, heißt es in einer Zeile des ohrwurmträchtigen Songs. Spätestens seit gestern ist klar: Gut aufgehoben ist der Sennerpokal 2017 in Beuren allemal.

Sennerpokal 2017