Trauer

Gerade, wenn der Tod eine langjährige Partnerschaft auseinanderreißt, kämpfen die Hinterbliebenen mit einer ganzen Reihe von Ängsten und Unsicherheiten. „Es ist wie eine seelische Amputation: Das Selbstvertrauen, das uns der Partner gegeben, bricht weg“, vergleicht die erfahrene Trauerberaterin. Die Gedanken kreisen um den Verstorbenen und manchmal fehlt einfach die Kraft, sich aus dem dunklen Loch herauszuziehen. Lichtblicke geben, dem Leben neuen Sinn geben, damit wieder Boden unter den Füßen wächst, ist die Kernaufgabe eines Trauerbegleiters. „Wir versuchen im Gespräch, den Blick wieder zu weiten und den Hinterbliebenen zu bestärken, nach vorne zu blicken, neue Perspektiven zu geben“, so Rosemarie Bernutz über ihre Arbeit, für die sie und ihr Team eine fundierte Ausbildung absolviert haben. Dabei ist jede Begleitung anders: „Man kann keine Trauer vergleichen – jeder Verlust hat seine eigene Qualität“, erklärt die Beraterin. Ob Partner, Kind oder Elternteil – zu jedem gebe es unterschiedlichste Bindungen. „Welche, das gilt es herauszufinden“, so Rosemarie Bernutz. Jeder wird dort abgeholt, wo er steht.
Trauercafé im Bürgertreff
Wer die Begegnung mit anderen Trauernden sucht, der kann sich dem Trauer-Café im Nürtinger Bürgertreff anschließen. Jeweils mittwochs bietet der offene Treff Gelegenheit zum Austausch und Gespräch. Die Treffen werden von Dagmar Seyfried, Andrea Stahl, Stefanie Sochart-Damitz und Marena Zaiser fachlich begleitet, eine Anmeldung ist nicht nötig und wer möchte, kann hier ganz anonym bleiben.
Einzelbegleitung
Nicht jeder möchte sich in der akuten Trauerphase fremden Menschen öffnen: „Wenngleich auch in der Gruppe schnell Vertrauen wächst“, so Rosemarie Bernutz’ Erfahrung. Deshalb bietet der Arbeitskreis auch Einzelbegleitungen in den geschützten Räumen der Diakoniestation Nürtingen an, über die auch der Kontakt hergestellt werden kann. Ganz bewusst gehen die Trauerbegleiter in der Regel nicht zu den Hinterbliebenen nach Hause: „Zu Hause sind überall Erinnerungen an den Verstorbenen, das kann mitunter nicht hilfreich, sondern im Gegenteil belastend sein“, erläutert Rosemarie Bernutz. Der Schritt hinaus zur Beratung hingegen kann für den Hinterbliebenen ein erster Anstoß sein.
Wie lange und wie oft der Trauernde die Beratung in Anspruch nimmt, ist unterschiedlich: „Wir richten uns hier ganz individuell nach jedem Einzelnen“, betont die Koordinatorin der Trauerbegleitung. Der Arbeitskreis bietet auch die Möglichkeit, die Trauerbegleitung parallel zur Sterbebegleitung in Anspruch zu nehmen. „Wenn der Abschied von einem geliebten Menschen bevorsteht, tut es gut, Ängste in den Mund zu nehmen und aussprechen zu können“, ist die Erfahrung der Trauerbegleiterin. Das Angebot ist im Übrigen kostenlos und nicht konfessionell gebunden: „Geld darf für niemanden eine Hemmschwelle sein“, betont Rosemarie Bernutz.
Trauertag am 20. April
Gelegenheit, die Arbeit der Trauerbegleiter näher kennenzulernen, gibt es im Rahmen des Trauertages, der bereits zum zweiten Mal ausgerichtet wird. Am Samstag, 20. April, lädt der Arbeitskreis Menschen zu einem Tag rund um das Thema Trauern in den Martin-Luther-Hof in der Nürtinger Jakobstraße 17 ein.
Sonstige Angebote
Nicht nur über die Diakoniestation finden Trauernde im Raum Nürtingen übrigens Unterstützung: Auch das DRK bietet Trauernden einen kostenlosen Nachsorgedienst, der ehrenamtlich von Eve-Christiane Grunewald betreut wird, Telefon (0 70 22) 30 20 10. Über das Pfarramt Neuffen, Telefon (0 70 25) 27 20, gibt es zudem die Möglichkeit, sich einer regelmäßig treffenden Gruppe für Trauernde anzuschließen.

Die Trauerfeier, um gemeinsam Abschied zu nehmen
Eine persönliche und gefühlvolle Trauerfeier ist für die Hinterbliebenen eine wertvolle Hilfe auf dem Weg durch die Trauer. Die Trauerfeier dient einerseits der Abschiednahme vom verstorbenen Menschen, andererseits würdigt und wertschätzt sie dessen Leben und die Persönlichkeit.

Die Wahl des Ortes
Allein schon die Wahl des Ortes dafür sollte gut bedacht werden. Im Prinzip ist jeder Ort möglich, der die Würde des Verstorbenen wahrt. Selten geschieht sie zu Hause, an dem bisherigen Lebensort, was prinzipiell wie die Hausaufbahrung möglich ist, meist aber aus Platzmangel ungünstig ist. Manche wählen eine Kapelle oder einen entsprechenden Raum im Dorf oder Ortsteil, wo die Urne oder ein Bild des Verstorbenen Zentrum der Aufmerksamkeit bilden. Andere suchen einen Ort, der dem Verstorbenen lieb und wertvoll war, dazu auf. Auch die meisten Krematorien haben schöne Abschiedsräume, in denen in würdiger und individueller Weise Trauerfeiern auch im größeren Kreis  stattfinden können. Die meisten nehmen Abschied bei einem Gottesdienst in der örtlichen Kirche beziehungsweise vor oder nachher am betreffenden Friedhof und seiner Aussegnungshalle. Jeder Ort sollte bezüglich der dort gegebenen Möglichkeiten und Grenzen sorgfältig abgewogen werden: Genügen die Sitzplätze? Gibt es Schutz vor Regen, starker Sonne oder Kälte? Wie ist die Akustik? Soll/kann der Sarg oder die Urne dort aufgestellt werden? Lässt sich dort unsere Vorstellung vom Zeremoniell der Trauerfeier überhaupt realisieren?

Die weitere Planung
Die persönliche Vorstellung der Angehörigen beziehungsweise der Wunsch des Verstorbenen stehen im Vordergrund der weiteren Planung. Zu dieser gehört im Weiteren die terminliche Abstimmung mit den anderen Beteiligten: Friedhofsverwaltung, Redner oder Priester, Musiker, Floristen und so weiter. Sollen andere Trauergäste durch Zeitung und/oder Trauerkarten informiert  werden? Und wer soll überhaupt daran teilnehmen? Gerade in solchen praktischen und organisatorischen Fragen können die Bestatter vieles abnehmen beziehungsweise mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wenn keine konkrete Willenserklärung des Verstorbenen darüber vorliegt, gilt es sich zu überlegen, mit welchen Mitteln und Bausteinen man selbst die Trauerfeier zu einem Fest des Abschieds machen kann, das nicht nur von Traurigkeit, sondern auch von Zuversicht und Trost geprägt ist.
(Aus: www.gute-trauer.de)

Neue Rituale erleichtern die Trauerbewältigung
Viele Familien feiern Festtage mit bekannten Ritualen. Ist ein Familienmitglied
verstorben, helfen neue Rituale, den Verlust zu bewältigen. Die Familie kann dem Verstorbenen seinen Platz im Gedenken zuweisen und zu festtäglicher Harmonie finden. Dass Trauer mithilfe von Ritualen erleichtert werden kann, gilt als unbestrittener Stand der Forschung. Rituale in ihrem bekannten Ablauf geben Hinterbliebenen Sicherheit. Diese können ihren Gefühlen durch Worte, Gegenstände und Handlungen Ausdruck verleihen. Erinnerungsrituale können dazu dienen, die Bindung zum Verstorbenen aufrechtzuerhalten und innerlich mit ihm in Verbindung zu treten. Generell bilden Rituale einen wichtigen Teil gemeinsam begangener Festtage. Für Festtage haben viele Familien einen ihnen vertrauten Ablauf vorgesehen.
Rituale sind wichtig
„Fehlt ein  verstorbenes Familienmitglied, müssen Rituale neu überdacht werden“, weiß Heidi Müller, Chefredakteurin des Newsletter-Projekts „Trauerforschung im Fokus“. Aus ihrer praktischen Arbeit mit Trauergruppen weiß sie, wie wichtig es nach dem Verlust eines Menschen ist, Rituale anzupassen und zu verändern. Alle Beteiligten wünschen sich ein harmonisches Weihnachtsfest und wissen, „die alten Rituale müssen verändert werden, damit sowohl neue als auch verstorbene Familienmitglieder einen Platz finden“, schildert sie einen typischen Fall. Damit ein neues Ritual entstehen kann, sei es wichtig, dass die Familie schon im Vorfeld über das Thema rede. So könne jeder das für ihn Wichtigste einbringen und das alte Ritual an die neue Situation angepasst werden.
(Aus: www.aeternitas.de)

Das Mahl für Anteilnahme und Wertschätzung
Das gemeinsame Essen oder Kaffeetrinken im Anschluss an eine Trauerfeier ist eines von vielen Trauerritualen, das sich bis heute in nahezu ganz Europa gehalten hat – aus gutem Grund, denn daran teilzunehmen drückt Anteilnahme, Wertschätzung und Unterstützung aus. Auch wenn viele Angehörige inzwischen die zusätzlichen Kosten scheuen, sollte man den wichtigen emotionalen Aspekt dieser Tradition nicht aus den Augen verlieren. Das gemeinschaftliche Erinnern und Austauschen von Geschichten hat eine stark entlastende und tröstende Funktion und hilft oft als erster, kleiner Schritt in der Zeit der Trauerbewältigung.
Häufig nehmen Trauernde erst beim Kaffeetrinken wirklich wahr, wie viele Angehörige, Freunde und Kollegen diesen letzten, schweren Gang mit ihnen zusammen gegangen sind. Nach dem offiziellen Teil der Trauerfeier, in zwangloser Runde, können nun ein paar persönliche Worte gewechselt werden, es ergibt sich die Gelegenheit zu weiteren Besuchseinladungen, womit deutlich vermittelt wird: niemand ist heute hier mit seiner Trauer alleine.
(Aus: www.gute-trauer.de)