Wohnen

Intelligente Bäder suchen ein Zuhause
Angesichts dieser Zahl hat es auch für die Aktion „Barrierefreies Bad“ höchste Priorität, Wohnungen (nicht nur) für Senioren stärker zu fördern. Vergleicht man die Kosten eines altersgerechten Umbaus mit denen stationärer Pflege, rechnen sich solche Maßnahmen immer. Darüber hinaus gibt es bereits zahlreiche kluge Ausstattungslösungen für altersgerechte Badezimmer.  Bodenebene Duschen, Spiegelschränkeund WCs mit Nachtlicht warten ebenso auf einen Einsatz wie der serienreife Spiegel mit eingebauten Erinnerungshilfen zur täglichen Körperpflege. Schon vor Jahren haben sich Institutionen wie das Fraunhofer-Institut für mikroelektronische Schaltungen und Systeme gemeinsam mit Unternehmen der Sanitär-, Heizungs- und Klima-Industrie an die Entwicklung eines intelligenten Badezimmers gemacht und es zum Leben erweckt.
Wenn das Badezimmer mitdenkt
Das WC kennt jeden einzelnen Bewohner und stellt sich automatisch auf seine Körpergröße ein. Das Licht geht automatisch an und aus. Die Armatur schließt sich von selbst, um Wasser zu sparen. Für die Kinder gibt es Zahnputzalarm und für den nach einem Schlaganfall zeitweise leicht desorientierten Opa einen Spiegel, der ihn dazu anhält, sich zu rasieren. Was er, aber auch die anderen Mitbewohner sonst noch machen sollten, zeigen weitere beleuchtete Piktogramme für Waschen, Zähneputzen und Kämmen. Wenn es Zeit ist, Medikamente einzunehmen, meldet sich eine Stimme aus dem Lautsprecher. Sensoren zeichnen jede Aktivität auf. Sollte sich Opas Gesundheitssituation verschlechtern, lässt sich am Computer kontrollieren, was von ihm gemacht wurde und was nicht. Stürzt Opa gar, kommt die Hilfe automatisch. Des Weiteren sind Umgebungsassistenzen auf dem Vormarsch – auch, weil die Techniken für ihre Vernetzung mittlerweile zur Verfügung stehen. Dank Smart- Home-Technologie stellten beispielsweise moderne Armaturensysteme quasi auf Zuruf gewünschte Temperaturen oder gleich ein ganzes Duschprogramm mit passendem Lichtambiente bereit. Menschen mit Handicap können auf diese Weise tägliche Routineaufgaben wie Waschen oder Duschen ohne  Unterstützung von Familienangehörigen oder Pflegediensten erledigen. „Ein mitdenkendes Badezimmer wird in einem immer älter werdenden Deutschland mehr und mehr an Bedeutung gewinnen“, prophezeit Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Sie hat die Aktion „Barrierefreies Bad“ mit ins Leben gerufen. Auch für Matthias Thiel vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), ebenfalls Mitinitiator derAktion „Barrierefreies Bad“, ist das Badezimmer ein wichtiger Schlüssel für das selbstständige Wohnen im Alter. Der Referatsleiter Betriebswirtschaft, Datenmanagement und Demografischer Wandel zeigt sich alarmiert. Laut aktuellen Berechnungen werden bis zum Jahr 2030 zusätzliche rund drei Millionen altersgerechte Wohnungen benötigt – und damit auch rund drei Millionen altersgerechte Badezimmer.

Eine andere Form des betreuten Wohnens: Senioren-WG
Die meisten Menschen haben den Wunsch, im Alter möglichst lange selbstbestimmt zu leben und in einer häuslichen Umgebung zu bleiben. Neue Wohnformen, unter anderem Senioren-Wohngemeinschaften sowie Pflege- Wohn-Gemeinschaften, bieten die Möglichkeit, zusammen mit Frauen und Männern in derselben Lebenssituation zu leben und Unterstützung zu erhalten – ohne auf Privatsphäre und Eigenständigkeit zu verzichten. Trotzdem ist immer ein Ansprechpartner in der Nähe und die Zahl potenzieller Helfer steigt. Die Bewohnerinnen und Bewohner einer WG leben in eigenen Zimmern, in die sie sich jederzeit zurückziehen können, haben zugleich aber auch die Möglichkeit, in Gemeinschaftsräumen gemeinsame Aktivitäten durchzuführen, wie  zusammen kochen und essen, Schach spielen oder Gymnastikübungen machen. Damit wird auch der Gefahr der Vereinsamung vorgebeugt, die mit der Pflegebedürftigkeit leider oft einhergeht. Für die Gründung einer Senioren oder eine Pflege-WG braucht es natürlich zunächst einmal interessierte Mitbewohnerinnern und Mitbewohner. Diese können über eine Zeitungsanzeige oder einen Aushang im nächstgelegenen Seniorentreff gefunden werden. Oder einfach im nahegelegenen Pflegestützpunkt nachfragen, ob dort bereits Interessenten bekannt sind. Hilfreich könnte auch die Anfrage bei ambulanten Pflegediensten sein, die bereits Pflege-WGs betreuen. Hinsichtlich der Größe der Wohngemeinschaft sollte bedacht werden, dass, auf den Quadratmeter bezogen, große Wohnungen oft preiswerter sind als kleinere Wohnungen. Mit mehreren Menschen zusammenzuleben, bietet also auch finanzielle Vorteile. Bei der Gestaltung des Mietvertrags auf klare Reglungen achten, für die Fälle Auszug und Miete, zum Beispiel für den Fall, dass ein WG-Mitglied seinen Mietbeitrag nicht zahlen kann. Interessierte sollten ruhig die verfügbaren Beratungsangebote ihrer Kommune annehmen.

KfW-Programm: Altersgerecht umbauen
Erfreuliche Entwicklung: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat seit Oktober letzten Jahres die Zuschussförderung innerhalb ihres Programms „Altersgerecht umbauen“ wieder aufgelegt. Menschen, die im Alter in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben wollen und diese dazu altersgerecht umbauen müssen, können dadurch mit Zuschüssen von bis zu 5000 Euro rechnen. Dazu gehört zum Beispiel das Entfernen von Schwellen, das Versetzen von Wänden und Durchgängen, der Umbau von Küche und Bad, das Gestalten von Terrassen und Balkonen und vieles mehr.
Sachverständige einsetzen
Die Voraussetzung: die ordnungsgemäße Durchführung der förderfähigen Maßnahmen sowie deren Attestierung durch einen entsprechend qualifizierten Sachverständigen. Ab sofort kann das auch ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger des Sanitär-, Heizungs und Klimahandwerks sein, der sich zum Sachverständigen für die Umsetzung des KfW-Programms „Altersgerecht umbauen“ qualifiziert hat. Wie der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) mitteilte, habe bereits eine erste entsprechende Schulung stattgefunden. Der ZVSHK hat gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe eine App „Altersgerecht umbauen“ für Tablet PCs entwickelt. Sie soll helfen, die Beratungskompetenz des Handwerks zum KfW-Programm weiter zu  verbessern. Darüber hinaus gut zu wissen: Die Bezuschussung des altersgerechten Umbaus im Rahmen des Altersvorsorge- Verbesserungsgesetzes (Wohnriester) bedarf ebenfalls der Kontrolle und „Freigabe“ durch einen entsprechend qualifizierten Sachverständigen – wenn auch nur bei Erreichung des kompletten KfWStandards „Altersgerechtes Haus“. Einzelne Förderbausteine benötigen dagegen keinen Sachverständigen.

Barrierefrei wohnen staatlich gefördert
So lange wie möglich selbstständig im eigenen Heim zu wohnen, das wollen viele. Meist scheitert es an täglichen Barrieren, die sich in herkömmlicher Wohnbebauung auftun, wenn der Körper nicht mehr alles mitmacht – zum Beispiel das Treppensteigen oder die tägliche Körperpflege. Alle Privatpersonen, die selbstgenutztes Wohneigentum bauen oder erwerben, erhalten unabhängig vom Einkommen ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe von bis zu 30 Prozent der angemessenen Gesamtkosten (höchstens 100 000 Euro). Gefördert wird seit 2009 mit einem Programm „Altersgerecht umbauen“ die Anpassung von Wohnungen an die Bedürfnisse des Alters. Die Ausgabe erfolgt über zinsverbilligte Kredite der KfW. Die Pflegeversicherung gewährt finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes, beispielsweise für technische Hilfen im Haushalt wie festinstallierte Rampen, Verbreiterung von Türen, Entfernen von Türschwellen, Umbauten in Badezimmern und Küchen, Einbau eines Treppenlifts oder Sitzlifts, wenn dadurch im Einzelfall die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert oder eine möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt wird. Voraussetzung ist eine Pflegestufe, die vom medizinischen Dienst beurteilt wird. Hierzu muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Dies können auch Angehörige tun. Darüber hinaus kann man selbst mit einfachen Mitteln ein besseres Wohnumfeld schaffen, indem man dicke Teppiche und andere Stolperfallen entfernt und in den Räumen durch Reduktion von Möbeln mehr Platz schafft.

Schlicht, aber durchdacht
Kompakthäuser sind im Kommen! Die preisgünstigen Platzwunder finden vor allem bei der Generation 50 plus immer mehr Anklang. Denn sie bieten jede Menge Komfort. Ein Eigenheim für die Familie bauen und – wenn die Kinder ausgezogen sind – im viel zu großen Haus den Ruhestand verbringen: Diese klassische Wohnkarriere von früher ist für ältere Wohneigentümer keine Option mehr. Über die Hälfte der Bundesbürger ab 50 Jahren können sich laut einer Emnid-Umfrage vorstellen, noch einmal umzuziehen, wenn das neue Domizil ihren veränderten Erfordernissen entspricht. Dabei baut diese Generation auf Downsizing und Funktionalität. Gefragt sind kompakt konstruierte Häuser und Wohnungen mit einem Garten oder Balkon, die keine aufwendige Pflege  erfordern, dafür aber jede Menge Komfort bieten. Die Bau- und Betriebskosten müssen überschaubar sein. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Neubau von Wohngebäuden um 4,2 Prozent verteuert“, sagt Bernd Neuborn von BHW. Ob Walmdach oder Erker ist da sekundär, vorrangig sind hingegen Wohnküche und Barrierefreiheit. „Allein der Verzicht auf einen Keller kann bis zu 15 000 Euro sparen“, sagt der Experte.
Seniorengerechte Fertighäuser
Clever konzipiert sind häufig im reduzierten Stil gehaltene Fertighäuser, deren Hersteller das gesteigerte Interesse an schnellen Lösungen und intelligenter Technik aufgreifen und umsetzen. Die Käufer bekommen schlichte Grundrisse ohne überflüssigen Schnickschnack. Jeder vierte Bauherr eines Fertighauses ist inzwischen älter als 50 Jahre, hat eine Erhebung des Bundesverbands  Deutscher Fertigbau (BDF) ergeben. Und die Baubranche denkt schon weiter nach vorn: Der Standard in Neubauten sind helle, lichtdurchflutete Allräume, barrierefreie Bäder und Küchen. Auch in der Zukunft wird der Bedarf an seniorengerechtem Wohnraum noch deutlich zunehmen.

Gut gebettet im Alter
Wer aktiv und vital durchs Leben gehen möchte, für den ist gesunder Schlaf unverzichtbar. Im Laufe der Zeit ändern sich aber die Bedürfnisse maßgeblich: Während man in jungen Jahren beispielsweise kein Problem hat, auf einer simplen Matratze oder auch einem Sofa zu schlafen, kommt man damit im Alter in der Regel nicht mehr klar.
In der Höhe verstellbar
Seniorenbetten kommen diesen veränderten Bedürfnissen entgegen: Zum einen unterscheiden sie sich bezüglich der Höhe der Liegefläche, die es ermöglicht, dass man sich ohne große körperliche Anstrengung hinlegen und wieder erheben kann – der nächtliche Gang auf die Toilette muss also nicht zur mühevollen Tortur werden. Normalerweise sind die Betten in der Höhe verstellbar, sodass sie sich der Tagesform entsprechend anpassen lassen. Ein Modell mit einem elektrisch betriebenen Lattenrost bietet den Vorteil, dass man die eigene Sitz- oder Liegeposition ganz individuell verändern kann, je  nachdem, ob man bequem lesen oder doch lieber ruhen möchte.
Mit Sicherheitsmodulen
Darüber hinaus können Seniorenbetten mit Sicherheitsmodulen ausgestattet werden, wie man sie von Pflegebetten kennt, etwa Schutzgittern, die das Herausfallen verhindern sollen.
Zahlreiche Ausführungen
Beim Design muss man dabei keinerlei Abstriche in Kauf nehmen: Mittlerweile gibt es Seniorenbetten in zahlreichen Ausführungen aus unterschiedlichsten Materialien, sodass sich für jeden Geschmack etwas finden lassen sollte. Personal im Fachhandel kann bei der Auswahl behilflich sein und weiterführend beraten.

Moderne Treppenlifte überzeugen
Wer im Alter im Eigenheim wohnen bleiben möchte, sollte sich frühzeitig um entsprechende Umbauten oder Ergänzungen kümmern. Ein wesentlicher Aspekt hierbei sind Treppen, stellen diese doch für viele Senioren früher oder später ein großes Problem dar: Wo man einst noch ein paar Stufen auf einmal nehmen konnte, bereitet das Treppensteigen den meisten Älteren früher oder später doch große Schwierigkeiten und schränkt so die Mobilität erheblich ein. Abhilfe kann da ein Treppenlift schaffen. Dabei handelt es sich mittlerweile nicht mehr um monströse Gerätschaften, die übermäßig viel Platz wegnehmen: Moderne Sitzlifte können auf unterschiedlichsten Treppen verwendet werden und lassen sich platzsparend zusammenklappen, wenn sie gerade nicht in Gebrauch sind. So kann die Treppe von Besuchern weiterhin bequem benutzt werden. Darüber hinaus sind diese Vorrichtungen heutzutage mit Notfallmechanismen ausgestattet, sodass man sie beispielsweise bei einem Stromausfall manuell bedienen kann und so sicher ins nächste Stockwerk gelangt. Außerdem gibt es natürlich auch Modelle, die sich für Außentreppen eignen, sodass es auch beim Verlassen des Hauses keine Probleme gibt. Vor dem Kauf sollte man sich aber von einem Fachhändler eingehend beraten und die unterschiedlichen Ausführungen erläutern lassen.