Rechtliches rund um die Ehe

Wenn einer der Partner zum Beispiel für die baldige Ehe seinen Job gekündigt oder seine Wohnung verkauft habe, könne er den anderen auf Schadenersatz verklagen. „Dabei gilt natürlich die Angemessenheit, etwa wenn der Umzug von Köln nach Berlin stattfindet.“ Sei der Partner für die geplante Ehe lediglich ins Nachbardorf gezogen, sei das kein Argument. Wie hoch der Schadenersatz ausfällt, komme natürlich auf den Schaden an, sagt Krebs. Habe ein Partner Möbel gekauft, weil seine Verlobte zu ihm zieht, und scheitere die Beziehung, habe er immerhin noch die Möbel und damit einen Wert. Das Gleiche gelte, wenn er seine Wohnung oder sein Haus um oder ausbaue, erklärt Krebs. „Generell wird wegen einer gescheiterten Verlobung heutzutage selten geklagt“, sagt Becker. Sie kenne nur wenige Fälle. In der Regel gehe es darum, die Kosten für einen bereits gebuchten Raum für die Hochzeitsfeier oder Ähnliches zu ersetzen. Eines gilt jedoch: Verlobungsgeschenke könne ein Partner vom anderen zurückverlangen.

Schnell noch zum Standesamt
Geben sich Partner noch bis zum Jahresende das Jawort, macht sich das möglicherweise auch steuerlich bezahlt. Bei einer Trauung bis zum 31. Dezember kann das Ehepaar für das ganze Kalenderjahr Ehegattensplitting in Anspruch nehmen. Darauf weist der Bund der Steuerzahler hin.

Vertrauen ist gut – ein Ehevertrag ist besser
Mit dem Jawort werden die Partner in jeder Hinsicht voneinander abhängig. Für den Trennungs- und Scheidungsfall gibt es zwar gesetzliche Regelungen. Wer diese Bestimmungen auf die persönliche Situation zuschneiden möchte, braucht aber einen Ehevertrag. „So eine Vereinbarung sollte dazu dienen, den Partner mit geringerem Einkommen davor zu schützen, im Scheidungsfall zu verarmen“, sagt Bruno Steiner vom Bundesverband Finanz-Planer in Oldenburg.  Andererseits müsse er auch die Existenz des Besserverdieners schützen. Männer sind wegen der oft ungleichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse eher daran interessiert, sich abzusichern. Das betrifft vor allem Vermögenswerte, die einer Schätzung oder Bewertung unterliegen. „Das ist es, was zu Auseinandersetzungen führt“, erklärt Familienanwältin Andrea Peyerl aus Kronberg im Taunus. Bankkonten oder Wertpapierdepots seien unproblematisch, da die Zahlen klar ablesbar sind. Komplizierter werde es etwa bei Immobilien. Deren Wert müsse bei Eheschließung
unbedingt bekannt sein, um eine eventuelle Wertsteigerung während der Ehe berechnen zu können. Geradezu eine Pflicht sei der Ehevertrag für Selbstständige und Unternehmer. „Firmenanteile, eine Praxis oder Kanzlei können als Teil des Vermögens gewertet und in den Zugewinnausgleich einbezogen werden“, warnt Peyerl. Unterhaltsansprüche und Gütertrennung völlig auszuschließen sei allerdings nicht möglich. Rein rechtlich kann ein Ehevertrag jederzeit geschlossen werden
– auch nach der Hochzeit.

Passende Steuerklassen bringen Paaren Vorteile
Einmal im Jahr können Verheiratete ihre Steuerklassen wechseln und dadurch ihr verfügbares Monatseinkommen aufbessern. Das will gut überlegt sein: Wer die falsche Kombination wählt, bekommt zu viel Lohnsteuer abgezogen – oder muss Steuern nachzahlen. Während Singles und Geschiedene Klasse I, Nebenjobber Klasse VI und Alleinerziehende Klasse II haben, sortiert das Finanzamt Vermählte in Klasse IV ein.

Verheiratete dürfen wählen
Dieser Wechsel ist für die meisten kaum spürbar: „Der Arbeitgeber zieht in   Steuerklasse IV exakt so viel Lohnsteuer ab wie vorher in Klasse I“, erläutert Wolfgang Wawro, Sprecher des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Da jedoch Ehepaare steuerliche Vorteile genießen, ist der Abzug in vielen Fällen zu hoch. Verheiratete dürfen deshalb eine für sie günstigere Kombination der   Steuerklassen wählen. „Welche Kombination die optimale ist, hängt vom Anteil ab, den jeder Partner zum Haushaltseinkommen beiträgt“, sagt Wawro. Verdienen beide
Partner in etwa dasselbe, entspricht der Abzug in Kombination IV/IV ungefähr der Einkommensteuer. Macht das Paar mit seiner Steuererklärung dann noch persönliche Freibeträge geltend, kann es sich sogar auf eine Erstattung freuen. „Bringt dagegen ein Partner deutlich mehr Geld nach Hause, führt die Kombination IV/IV zu einem viel zu hohen Abzug“, warnt Wawro.

Auf die Kombination kommt’s an
In solchen Fällen lohnt sich ein Wechsel in die Kombination III/V. Der Besserverdiener bekommt Klasse III mit deutlich geringerer Lohnsteuer, der andere Klasse V. Hier ist der Abzug zwar höher – insgesamt bleibt jedoch mehr übrig. Je größer die Differenz, desto größer der Vorteil. Trägt aber ein Partner mehr als 60 Prozent zum Haushaltseinkommen bei, wird zu wenig Lohnsteuer abgezogen. Damit dem Staat kein Geld durch die Lappen geht, müssen Ehepaare mit der Kombination III/V eine Steuererklärung abgeben. „Paare, die eine Nachzahlung vermeiden wollen, sollten einen Wechsel in die Kombination IV/IV plus Faktor erwägen“, rät Kai Bernhardt von der Oberfinanzdirektion Niedersachsen in Hannover. „Hier wird jedem Partner so viel Lohnsteuer abgezogen, wie es seinem Anteil am Haushaltseinkommen entspricht.“ Der Arbeitgeber berücksichtigt bei beiden die persönlichen Freibeträge. Der Besserverdiener bekommt dann im Vergleich zu Klasse III mehr abgezogen, während für den anderen die Belastung sinkt. Außerdem teilt das Finanzamt die voraussichtliche Einkommensteuer beider Partner laut Splitting-Tarif durch deren voraussichtliche Lohnsteuer in Klasse IV. Ist das Ergebnis kleiner als 1, wird es auf drei Nachkommastellen genau mit der Steuerklasse IV gespeichert. Der Arbeitgeber multipliziert den „Faktor“ dann mit der Lohnsteuer, die sich entsprechend verringert.

Wechsel ist möglich
Ehepaare können die Steuerklassen einmal im Kalenderjahr wechseln, wenn sie bis spätestens 30. November beim zuständigen Finanzamt einen Antrag stellen. „Dieses speichert dann die neuen Steuerklassen in der elektronischen Lohnsteuerkarte“, erklärt Kai Bernhardt.
dpa