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Wendlingen

Fledermäuse sehen besser mit den Ohren als mit den Augen

12.07.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Was macht eine Fledermaus in der Schule? Was heißt eine? Vier, fünf, sechs! Sie heißen Madame Näschen, Karlo oder King Kong, der Schreckliche. Ilona Bausenwein kommt immer wieder an die Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen und eröffnet den Grundschülern die Welt der Fledermäuse. Das macht die Fledermaus-Expertin so spannend und locker, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzuhören. Und wo bekommt man schon mal die Gelegenheit, eine Fledermaus zu streicheln oder ihren Turbo-Puls schlagen zu hören? Das kleinste Säugetier der Welt ist mit einem hochmodernen Navigationssystem ausgestattet. Da, wo eine Fledermaus schon einmal geflogen ist, nimmt sie alle Hindernisse wie ein Echolot wahr, alles wird in ihrem Gedächtnis abgespeichert. Blöd nur, wenn sich irgendetwas verändert, das kann für böse Überraschungen sorgen. Bis zu zwölf Herzen schlagen in ihrer Brust. Ihr Hunger scheint unersättlich, in einer Nacht kann sie zwischen 3000 und 6000 Insekten verspeisen, bis zu 200 Kilometer am Stück können sie zurücklegen. Madame Näschen (Foto links) hat eine Flügelspannweite von 47 Zentimetern und gehört damit zu den kleinen Fledermäusen. Flugfüchse, auf dem afrikanischen Kontinent heimisch, können einem mit bis zu zwei Metern Spannweite einen gehörigen Schrecken einjagen. Es gibt rund 1200 verschiedene Fledermausarten. Eigentlich können sie sehr alt werden, über 50 Jahre. Doch im Durchschnitt erreichen sie in Industrieländern gerade mal zwei bis drei Jahre, Holzschutzmittel setzen ihrem Leben hart zu. Ilona Bausenwein ist über 1000fache Mutter von Fledermäusen. Auf Schloss Hohentübingen hat sich eine Fledermauskolonie niedergelassen, die sie ganzjährig betreut. Dort bietet sie auch Fledermausführungen für Besucher an. Von Mai bis September gibt es samstags Führungen (www.feldermaeuseintuebingen.de). Aber auch sonst kann die Fledermausexpertin nicht ohne die geheimnisvollen Kreaturen der Nacht sein. In ihrer Wohnung beherbergt sie derzeit 50 Unterbewohner, viele werden ihr krank gebracht, die sie mittlerweile seit 32 Jahren liebevoll wieder aufpäppelt, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden können. „Bei mir geht es manchmal zu wie auf einem Großflughafen“, lacht Ilona Bausenwein, in ihrer Krankenstation hat sie schon tausend Fledermäuse kuriert. Die kleinen Segler sind allerdings nicht nur niedlich, sie können auch gehörig ihr Revier verteidigen. In diesem Fall auch die Wohnung. Besucher sollten deshalb nicht unaufgefordert die Wohnung von Ilona Bausenwein betreten. Ein Paketbote hat das nicht gewusst und betrat die Wohnung. Das hätte er mal lieber sein lassen. Denn mit Karlo ist nicht gut Kirschen essen. Die Attacke dürfte er nie vergessen haben. Seither verweigert die Firma den Zustellservice. gki

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