meldungen, Wendlingen

Mit Musik gegen die große Not auf Haiti

01.04.2014, Von Horst Jenne — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sängerin Cornelia Schütt aus Hamburg und Unternehmerin Elianne Schiedmayer aus Wendlingen helfen ihrem Heimatland

12. Januar 2010. Ein verheerendes Erdbeben auf Haiti fordert etwa 316 000 Tote. 310 000 weitere Personen werden verletzt, 1,85 Millionen Menschen obdachlos. Viele Menschen weltweit helfen seither dem gebeutelten Land. Zwei davon am Freitag: Elianne Schiedmayer und Cornelia Schütt.

Cornelia Schütt (rechts) und Elianne Schiedmayer beim gemeinsamen Singen. Foto: Jenne

WENDLINGEN. Zu einem Benefizkonzert trat die Sängerin und Gitarristin TiCorn im Treffpunkt Stadtmitte auf. Die Haitianerin ist deutscher Abstammung. Mit bürgerlichem Namen heißt sie Cornelia Schütt. Sie überzeugte mit teils gefühlsbetonten, teils temperamentvollen Folksongs ihrer Heimatinsel. Barfuß und mit buntem Rock sowie farbenfroher Bluse gab sie ihre bewegenden Melodien zum Besten. Die meisten sang sie in Kreole, einer Mischung aus Altfranzösisch, Spanisch und afrikanischen Sprachen. Begleitet wurde die in Hamburg und auf Mallorca wohnende 60-Jährige von Brahm Heidl (Bass, Querflöte, Gitarre, Gesang) und dem afrokaribisch orientierten Percussionisten Donald Holtermanns.

„Ich möchte mit meiner Musik eine andere Seite von Haiti zeigen, den Reichtum seiner Kultur“, sagte Cornelia Schütt. Die Einnahmen aus dem Konzert kommen Musikschulen in dem armen Inselstaat zugute. „Leider sind nur 50 Leute gekommen“, bedauerte Elianne Schiedmayer. Die Unternehmerin aus Wendlingen, die ebenfalls Haitianerin ist, hatte die Veranstaltung im Rahmen der Wendlinger Kulturzeit organisiert. Trotz des enttäuschenden Besucherinteresses ließ sie sich die Laune nicht verderben.

Diesen Abend vor ihrem 70. Geburtstag wird sie nicht vergessen. Anlässlich ihres besonderen Festtages bat sie die eingeladenen Gäste, keine Geschenke mitzubringen. Sie sollten lieber für Haiti spenden. Auch Elianne Schiedmayer gibt reichlich. Sie ist Geschäftsführerin der Schiedmayer Celesta GmbH. Das Unternehmen, seit dem Jahr 2000 in Wendlingen, ist Weltmarktführer im Bau von Celesten und Tastenglockenspielen.

Die Haitianerin hat das ehrgeizige Ziel, viele Instrumente in ihr Heimatland zu bringen. Sie sind für das neu ins Leben gerufene nationale Jugend-Musiksystem vorgesehen. Standort ist Pandiassou, 200 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen. Staatspräsident Michel Martelly, selbst Musiker, setzt sich persönlich für die Umsetzung des Projekts ein.

Elianne Schiedmayer machte sich vor fünf Wochen selbst ein Bild von den Gegebenheiten in Pandiassou. 800 Jugendliche aus meist ärmlichen Verhältnissen werden dort unterrichtet, die Hälfte davon sind Waisenkinder. Sie sollen nicht nur Instrumente lernen, sondern auch in Bildung und Erziehung gefördert werden. Es geht um Selbstbewusstsein, Disziplin, Mitgefühl, Verantwortung und gegenseitiges Helfen. „So können wir dafür sorgen, dass die Jugendlichen nicht irgendwann zu Alkohol und Drogen greifen, um ihre Probleme zuzudecken“, sagte die Wendlingerin.

„Die Kultur ist eine Art zu überleben“, ergänzte TiCorn. Ihren Künstlernamen verdankt sie ihrem früheren Kindermädchen, das sie liebevoll „Petit Cornelia“ (kleine Cornelia) gerufen hat. Im Alter von zwei Monaten kam die Tochter eines deutschen Kaufmanns und einer deutschen Architektin nach Haiti.

Die Situation in ihrer Heimat beschrieb die 60-Jährige wie folgt: Die Moral der Haitianer stimme, sie würden Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben. Es sei durchaus ein gewisser Aufschwung zu spüren. „Doch es wird viele Jahre brauchen, um die riesigen Aufgaben zu bewältigen.“ Gut, dass es Leute wie Cornelia Schütt und Elianne Schiedmayer gibt, die tatkräftig helfen.

Tipps und Termine