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Gipfelgespräch im Landratsamt

22.11.2014, Von Gaby Kiedaisch — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Landrat Eininger lädt Bürgermeister der potenziell von der Stromtrasse betroffenen Kommunen und Vertreter der TransnetBW ein

Großer Aufmarsch der Bürgermeister aus 20 Kommunen im Kreis Esslingen gestern im Landratsamt: sie gehören zu den potenziell betroffenen Kommunen, deren Gemarkung von der geplanten Hochspannungstrasse von Schleswig-Holstein in den Süden der Republik berührt werden könnte.

Der geplante Netzknotenendpunkt, das Umspannwerk der TransnetBW in Wendlingen (Foto). Große Überlandleitungen kreuzen bereits heute die Stadt zwischen Neckar und Lauter. Foto: gki

WENDLINGEN/ESSLINGEN. Seit Anfang November die geänderten Pläne des Netzentwicklungsplans in Wendlingen bekannt geworden sind (wir berichteten), regt sich Unmut über die Informationspolitik des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW – wie auch in den anderen Kommunen. Denn außer den Anfangs- und Endpunkten (Raum Wendlingen) des Hochspannungsnetzes sind weitere Details wie eine genaue Streckenführung der Stromtrasse von Transnet nicht konkret definiert.

Aber der Reihe nach: Dabei handelt es sich um Deutschlands größtes Netzausbau-Projekt, das von Schleswig-Holstein 800 Kilometer über die sogenannte SuedLink-Trasse nach Baden-Württemberg, und zwar jetzt in den Raum Wendlingen, führen soll. Im ersten Entwurf des Entwicklungsplans war noch Goldshöfe bei Aalen dafür vorgesehen. Um die Hochspannungsgleichstromübertragungen, die das Rückgrat der Energiewende bilden, von Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln zu können, werden sogenannte Konverter benötigt. Dafür sind Flächen von bis zu zehn Hektar notwendig. Wo die dafür vorgesehenen Flächen sein sollen, darüber schweigt sich der Übertragungsnetzbetreiber bislang aus, was die Sorge um den Standort bei den Bürgermeistern in den potenziell betroffenen Kommunen nicht geschmälert hat. Stattdessen umriss TransnetBW einen Raum von zehn Kilometern um Wendlingen, der dafür in Frage kommen würde. Konkret bedeutet das, dass knapp 20 Kommunen betroffen sein könnten.

Der Einladung von Landrat Heinz Eininger zum Informationsgespräch mit der TransnetBW waren nun am gestrigen Nachmittag 20 Bürgermeister der betroffenen Kommunen gefolgt. Angestoßen hatte das Treffen Wendlingens Bürgermeister Weigel, der sich über die zurückhaltenden Informationen des Netzbetreibers zu Recht geärgert hatte. Bei dem Treffen, das mehr als zwei Stunden dauerte, hatte Olaf Sener, Leiter für Großprojekte der TransnetBW, über das mehrstufige Planungsverfahren zum Netzentwicklungsplan informiert. Danach muss der geänderte Entwurf des Netzentwicklungsplans von der Bundesnetzagentur zunächst auf seine energiewirtschaftliche Notwendigkeit überprüft werden. Erst wenn dies erledigt sei, könne man voraussichtlich im Februar in das Konsultationsverfahren gehen, in dem sich die Öffentlichkeit, sprich die Bürger und Behörden, dazu äußern und ihre Bedenken kundtun können.

Was den Netzendpunkt Wendlingen angeht, stellt sich die Frage, ob die vorhandenen Netzleitungen im Umspannwerk Wendlingen ausreichend für das Abführen ins Netz sind oder ob dafür neue Leitungen gebaut werden müssen. Dies konnte bei dem gestrigen Gespräch nicht geklärt werden.

Der mögliche Standort eines Konverters könne nach den Äußerungen des Projektleiters auch über einen Umkreis von zehn Kilometern hinaus liegen, wenn vorher keiner gefunden werde, berichtete Bürgermeister Weigel gestern nach dem Treffen auf Anfrage unserer Zeitung. Technisch sei dies kein Problem. Bislang gebe es dazu laut TransnetBW keine konkreten Überlegungen.

Landratsamt und Kommunen schreiben an Umweltministerium

Über das Treffen hinaus wollen nun das Landratsamt und die Bürgermeister einen Brief an die Bundesnetzagentur, TransnetBW und das Umweltministerium vom Baden-Württemberg schreiben. Mit dem Schreiben wollen sie grundsätzlich klarstellen, dass sie sich über die Notwendigkeit der Energiewende im Klaren sind. Allerdings wollen sie darin auch ihren Unmut äußern, dass sie in einem hochverdichteten und mehrfach belasteten Raum wie dem Landkreis keine Möglichkeit sehen, ein Grundstück für den Konverter zu finden.

Außerdem fordert der Landkreis Esslingen in die Arbeitsgruppe aufgenommen zu werden, in der die betroffenen Kreise des Netzausbaus vertreten sind.

Bürgermeister Weigel kritisierte die Informationspolitik von Transnet, einerseits mit vagen Planungsvorstellungen an die Öffentlichkeit zu gehen, aber andererseits konkrete Endpunkte zu nennen, was die Bürger irritiere.

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