Nürtingen

Volle Dröhnung

24.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Wie kam der Mensch zur Kultur? Eine Frage, die fast so alt wie die Menschheit selbst sein dürfte. Nun wissen Bibel, Koran und andere religiöse Überlieferungen dazu ihre jeweils eigene Geschichte zu erzählen. Seit einigen Jahren aber gibt es dazu eine neue, nicht eben reizlose Theorie, aufgestellt von einem Münchener Professor. Wie also wurden aus umherstreifenden Jäger- und Sammlergrüppchen Gesangvereine, Gewerkschaften und Golfclubs? Glaubt man besagtem Wissenschaftler, brachte sie nichts anderes zusammen als der Rausch, die Wirkung vergorener Beeren und Getreidesäfte. Bevor man Getreide als pflanzliche Nahrung entdeckt hatte, soll also seine in verdorbenem Zustand narkotisierende Wirkung im Vordergrund gestanden haben, die man nach gemeinsam zelebrierten Fleischfressorgien nutzte, um seine Hemmungen abzulegen, was in manchen Fällen ja auch zur Ansicht der damals noch animistischen Gottheit (vielleicht bei „geübten“ Schamanen in Gestalt weißer Mäuse?) geführt haben könnte. Der Neandertaler als Alki, bevor Seigneur Cro-Magnon seine Enkel mit Schrecken beim Dörferbau ertappte? Wie sollte man die Geister der erlegten Tiere denn an die Wand einer Holzhütte bannen? Die würden doch keinem Wisentangriff standhalten, wie der Fels, der die gemütliche und sichere Höhle umhüllte, auf dem sich der Urochse in Rötel gezeichnet doch erkennen und vor Schreck tot umfallen müsste. Aber Fred Feuerstein und sein Kumpel Barny Geröllheimer wollten sich wohl mit der Zeit immer öfter die Dröhnung geben, und dazu musste man entweder weite Getreidesammelreisen unternehmen, was zu Fuß wohl damals schon recht beschwerlich war, oder eben sehen, dass man die Wildformen domestizieren und entsprechend vermehren konnte. Der kontrollierte Anbau war erfunden, das Brauhandwerk auf den Weg gebracht. Moment mal, es ist acht Uhr! Jetzt aber flugs in die Kneipe, wo wir doch jetzt wenigstens wissen, warum.

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