Nürtingen

Verdächtig

23.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(heb) Immer am Ball und rund um die Uhr zum Schutze der Bürger unterwegs – es ist schon ein harter Job, der den Beamten in Polizeiuniformen für kleines Geld den Alltag strukturiert. Nicht zuletzt dafür, dass im immer mehr ausufernden Straßen-Individualverkehr alles mit rechten Dingen zugeht, sind die mittlerweile blauweiß-gestreiften Pkw-Kombis mit dem Hightech-Blaulicht auf den Dächern unterwegs. Das ist umso begrüßenswerter, desto erfolgreicher die tägliche und nächtliche Jagd nach jenen subversiven Elementen vonstatten geht, die sich in absichtlicher oder unabsichtlicher Weise gegen die neben der Marktfreiheit zum Parallelkatechismus erhobene Straßenverkehrsordnung versündigen. Doch manchmal treibt dieses fromme Bestreben der STVO-Pastoren in Blau seltsame Blüten. So hielt jüngst eine Polizeistreife einen jungen Fahrer an, dessen Auto ein großes Schild mit einem A für Anfänger in der Heckscheibe trug. Der junge Mann, gerade 18 geworden zeigte sich kooperativ, unterließ jedoch nicht, die Beamten nach dem Grund zu fragen, aus dem sie ihn gestoppt hatten. Was er darauf zu hören bekam, erstaunte ihn doch sehr, ja es war geradezu das Gegenteil von all dem, was man ihm bisher zu Fragen der Rechte und Pflichten eines Bürgers, zumal eines am Straßenverkehr teilnehmenden, beigebracht hatte. Er habe sich äußerst auffallend verhalten, klärte man ihn auf und auf sein Nachhaken hin: „Sie haben genau am Ortsschild auf 50 Stundenkilometer heruntergebremst, sind innerhalb der Ortschaft exakt 50 gefahren, nicht mehr und nicht weniger. Das tut sonst niemand!“ Das saß! Eine weitere Überprüfung ergab zwar keine Anhaltspunkte für eine Regelwidrigkeit, doch das Rechtsbewusstsein des jungen Erwachsenen hatte doch einen Knacks bekommen, hatte man ihm doch eben mit anderen Worten erklärt, dass, wer sich korrekt verhält, in den Augen der Ordnungskräfte Verdacht erregt. Kann es sein, dass da irgendwas verkehrt läuft?

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