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Menschenräuber

14.10.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

(psa) Der Dichter muss stinksauer gewesen sein, als er sah, dass jemand seine Verse abgeschrieben hatte: Als „plagiarius“ soll Martial im 1. Jahrhundert nach Christus seinen Lyrikerkollegen Fidentius beschimpft haben. Er hatte Martialsche Gedichte als eigene verbreitet. Das lateinische „Plagium“ bedeutet so viel wie „Seelenverkauf“ oder „Menschenraub“.

Dem Zeitgeist entsprechend verglich Martial seine geistigen Werke mit freigelassenen Sklaven. Sie waren frei, genossen aber nicht die vollen römischen Bürgerrechte. Außerdem mussten sie ihrem alten Herren gegenüber loyal sein. Niemand durfte sich ihrer ungestraft aneignen. Wer es trotzdem tat, war ein Plagiarius – ein Menschenräuber.

Die Zeiten der antiken Sklaverei sind zum Glück schon lange vorbei. Statt auf Feldzügen zusammengeraubten Personals stehen in Häusern heute zahlreiche kleine und große Helfer: Waschmaschinen sorgen für saubere Socken, Bügeleisen für glatte Hemdkragen. Kaffeeautomaten liefern auf Knopfdruck Espresso, Latte macchiato und andere Spezialitäten.


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