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Irrenhaus

22.05.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Irrenhaus

Vielerlei Begrifflichkeiten aus der Steinzeit der Psychiatrie feiern noch heute fröhliche Urstände. Ein psychiatrisches Krankenhaus hieß früher, im 19. Jahrhundert, noch Irrenanstalt und war im Gegensatz zu dem, was man vorher so hatte, schon ein echter Fortschritt, weil man nämlich endlich psychische Erkrankungen als Krankheiten erkannte. Dass es in der Irrenanstalt dennoch zuging wie im Irrenhaus, könnte man aus heutiger Warte aber doch sagen. Damals war es noch Standard, einen Patienten, der gerade seine fünf Minuten hatte, in eine Zwangsjacke zu stecken. Sie wurde von einem amerikanischen Psychiater namens Benjamin Rush im 19. Jahrhundert erfunden. Mit der Jacke, deren Ärmel keinen Ausgang hatten und die mit Gurten möglichst eng an den Körper geschnallt wurde, hatten die Kranken immer noch die Gelegenheit, sich den Kopf anzuschlagen, wenn sie nicht gerade in einer Gummizelle saßen. In der Gummizelle besteht das Mobiliar aus gummiähnlichem Weichmaterial und die Wände sind mit Schaumstoff ausgekleidet. Heute heißt die Gummizelle Weichzelle oder Kriseninterventionsraum und findet sich auch noch in modernen Krankenhäusern. Die Zwangsjacke hingegen gilt heute als Symbol einer menschenverachtenden Form der Psychiatrie und ist zumindest im medizinischen Bereich völlig aus der Mode gekommen. bg


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