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Auf Kosten anderer

07.02.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Auf Kosten anderer

Eine Krämerseele zu sein, attestiert Mylady dem Grafen de la Fére, genannt Athos, kurz bevor ihr der Henker das Haupt vom Körper schlägt. Wir sind im Frankreich des 17. Jahrhunderts und erfahren, wie uns der Autor der Drei Musketiere, Alexandre Dumas, mit einem Ausdruck konfrontiert, den wir wohl zu kennen glauben, jedoch vielleicht doch noch einmal, bevor er ganz aus dem deutschen Sprachschatz verschwindet, einer genaueren Prüfung unterziehen sollten. An Teil zwei dieses Kompositums, der -seele, gibt es nicht viel zu deuten, sie deutet lediglich darauf hin, dass der Betroffene den ersten sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat, ein Teil seines Charakters geworden ist. Kram (der Kern des Wortteils Krämer-) stand in früheren Jahrhunderten für ein Sammelsurium unterschiedlicher Handelswaren, die unter einem (Zelt-)dach angeboten wurden (Tante Emma lässt grüßen). Ist einer nun mit Leib und Seele Händler, so macht er diesem einen Aspekt seines Lebens alle anderen untertan: Its the economy, stupid!, hätte Bill Clinton dazu gesagt. Falsch ist alles, was nicht der Haus-, Betriebs- oder Volkswirtschaft dient, und die Politik soll sich gefälligst den Interessen der Wirtschaft (Krämerseelen) unterordnen. Aber auch Geiz gilt als eine der maßgeblichen Eigenschaften einer Krämerseele, Geiz und Ordnungsliebe bis zur Pedanterie. Klar, nur wer den Überblick hat, kann seine Schäfchen beieinanderhalten. Die Krämerseele hat die ihren am Ende immer im Trockenen, auch und bevorzugt auf Kosten anderer. heb


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