Leserbriefe

Zwei Jahre Bewährung für Vergewaltigung

11.08.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lucia-Maria Herrmann, NT-Zizishausen. Zum Artikel „Vergewaltigung nicht nachweisbar“ vom 2. August. Man stelle sich vor, das passiert der Tochter: Vom Ex-Freund zunächst mit dem Revolver bedroht, einige Monate später überfallen, niedergeschlagen, entführt, gefesselt, mit dem Tod bedroht, in den Wald verschleppt, eine Vergewaltigung mit wahrscheinlich anschließender Tötung kündigt er an. Sie will nur noch überleben, handelt besonnen und stimmt dem Geschlechtsverkehr zu. Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft für den Täter, wegen Körperverletzung und Geiselnahme. Das Gericht lässt es bei einer zweijährigen Bewährungsstrafe bewenden. Der Täter kommt quasi mit der abgesessenen Untersuchungshaft davon. Obwohl der Geschlechtsverkehr erzwungen war, liegt keine Vergewaltigung vor.

Mein Vater hat mir als Kind nicht nur eingetrichtert, auch bei grüner Fußgängerampel nicht ohne nach links und rechts zu schauen die Straße zu überqueren. Sondern später, als ich im Teenager-Alter war, hat er auch den Fall eines möglichen Überfalls mit sexuellem Hintergrund angesprochen. Er sagte, für den Fall eines Falles: „Wehr dich nicht, sonst bringt er dich um.“ Im jetzt entschiedenen Fall musste das Opfer wohl davon ausgehen, dass der Täter sie nach der Vergewaltigung tötet, allein, um seine Spuren zu verwischen.

Der Rat meines Vaters fiel mir wieder ein, als ich Näheres über die Vergewaltigung und Ermordung der Joggerin aus Endingen erfuhr. Sie, eine durchtrainierte Sportlerin, wurde anscheinend von hinten niedergeschlagen, wachte dann aber etwas später wieder aus der Bewusstlosigkeit auf. Wahrscheinlich war sie zu benommen und hat sich dann reflexartig zur Wehr gesetzt. Der Täter soll sie übel zugerichtet haben. Wäre sie in der Lage gewesen, ihre Situation richtig einzuschätzen, hätte sie sich bewusstlos oder tot gestellt. Ihre Überlebenschance wäre dann deutlich höher gewesen.

In den arabischen Staaten werden nicht nur die Täter einer Vergewaltigung, sondern auch die Opfer bestraft. So weit sind wir noch nicht, aber es geht in die Richtung: Solange sich das Opfer nicht wehrt, gilt der Geschlechtsverkehr nicht als erzwungen. Dementsprechend werden Urteile gefällt, die sicher nicht „Im Namen des Volkes“ ausfallen. Bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft, allein wegen der niedrigen Strafe, Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wird.

Leserbriefe

Verschwundene Schilder und die Folgen

Horst Schleining, Bempflingen. Schon wieder geht sie kaputt. Die Straße zwischen Bempflingen und Grafenberg. Eine Überraschung ist das aber nicht, wenn 30-Tonner-Lkws eine Straße malträtieren, auf der gerade mal zwei Pkws mit Vorsicht aneinander vorbeikommen und deren Aufbau für solche Brummis…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe