Leserbriefe

Zurück zu dem, was Kinder brauchen

08.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Singen? Zu teuer!“ vom 3. Januar. Wenn einer hinter der Kreuzkirche „Ich war noch niemals in New York“ singt, muss er keine GEMA-Gebühr abdrücken – außer nachher kreist der Klingelbeutel. Dann hätte „Uns Udo“ Anspruch auf Tantiemen, und die sammelt bekanntlich die GEMA ein. Wo aber kein Umsatz, dort auch keine Beteiligung. Entgegen der Schockmeldung dürften auch für Kindergärten Gebühren entfallen, wenn das löbliche musikalische Wirken unentgeltlich geschieht. Trotzdem muss mal gesagt werden, dass die Herren Kinderliedschöpfer vor allem Kohle schöpfen und keine Pädagogik machen. Sonst würden sie sich nicht am Fließband Lieder einfallen lassen, die sich kaum mehr voneinander unterscheiden. Musik mit fünf oder mit sieben Tönen – und daraus besteht die komplette Gebrauchsmusik, vom Sandkasten über die volkstümliche Hitparade bis in das bürgerliche Abo-Konzert – ist fertig. Ausgelutscht und ausgelaugt. Nichts mehr drin. Und das wissen alle Musiker seit 100 Jahren. Deswegen plädiere ich in der Elementarpädagogik für das bewährte Alte. Mit Erfolg bei den eigenen Kindern und Enkeln.

Eine meiner Nachfolgerinnen in der Fachschule für Sozialpädagogik wollte die alten Klassensätze mit traditionellem Liedgut ausmustern: „Kinder wollen heutzutage ja was Peppigeres“. Wollen! Mit Ernst Jandl sage ich: „Werch ein Illtum!“ Wer Kinder zu Jöckel- oder Zuckowski-CDs singen lässt, muss seinen Job überdenken. Sollte dies aber wegen Abgaben ausgetrocknet werden, ginge für mich ein Traum in Erfüllung: Zurück zu den Wurzeln, zurück zu dem, was Kinder tatsächlich brauchen und lieben, nämlich das Einfache, das Authentische, das, was nichts kostet, was von der Mama kommt, vom Opa, von der Erzieherin, aber nicht aus der Konserve. Das steht preiswert in allen Liederbüchern und hat, fachlich bewertet, dreimal mehr Substanz als fast alle der sogenannten Neuen Lieder, die auf dem Level von Lagerfeuermusik in Pädagogik und Kirche Qualität unterdrücken.

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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