Leserbriefe

Zeit für Korrektur in Nürtingen

27.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bruno Bienzle, NT-Zizishausen. Zum Artikel „Wir haben 25 Millionen Euro in Schulen investiert“ vom 10. September. OB Heirich würde sich „wünschen, dass die Nürtinger . . . ganz bewusst sagen: Ich bin Nürtinger, ich bin stolz auf meine Stadt“. Das legt die Frage nahe, inwieweit er selbst dem gerecht wird. Entgegen der Ankündigung, seinen Lebensmittelpunkt hierher zu verlegen, lebt unser Stadtoberhaupt nach wie vor im Spagat zwischen Tauber- und Neckartal. Eine Begründung dafür, warum aus dem – unter anderem im Mai 2004 auf der Eckbank im Kroatenhof bekräftigten – Umzug der Familie nichts geworden ist, hätte Interviewerin Lieb eine Nachfrage wert sein können.

Die Aussage, wäre ihm die Brisanz bei Großem Forst, Hölderlinhaus oder Wörth-Areal klar gewesen, hätte er „viel früher eine umfangreiche Bürgerbeteiligung eingeleitet“, ist der durchsichtige Versuch einer Rechtfertigung selbstherrlichen Handelns. Dazu passen der schnöde Umgang mit der FKN oder mit Nürtinger Traditionen wie dem Maientagssingen oder die Terminkollision der Silvesteransprache des OB mit dem Altjahrabend-Gottesdienst in der Stadtkirche. Kaum Indizien dafür, dass er hier arg heimisch geworden wäre. So war es sicher nicht bloße Wählerlaune, dass er bei der Kreistagswahl 2009 als Listenführer der SPD gegenüber 2004 von 12 113 auf 4042 Stimmen abgestürzt ist.

Wie weit es mit seinem Verständnis von „mehr Transparenz“ her ist, haben die angebliche Suche nach einem Kompromiss bei der Wörth-Bebauung und der neuerliche Anlauf zur Aufsiedelung des Großen Forsts gezeigt. Als ob es bei der vom obersten Verwaltungsgericht im Land als „fehlerhaft“ befundenen ersten Planfeststellung nicht zahlreiche Einsprüche von Bürgern und Verbänden wegen ökologischer Risiken gegeben hätte, berufen sich Heirich und eine Mehrheit im Gemeinderat erneut auf einen Suchlauf von vor über 20 Jahren. Nichts gehört von Klimakatastrophe, Flächenfraß oder weltweiter Verknappung der Nahrung? Allein die Umstände, unter denen der Große Forst damals als Gewerbefläche ausgewiesen wurde, müssten Grund genug für eine Korrektur sein.

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