Leserbriefe

Wo bleibt die schöne deutsche Sprache?

06.11.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Pkw-Maut soll 2016 starten – aber ohne Vignette“ vom 31. Oktober. So, jetzt soll also auch die Pkw-Maut starten. Wohin, in den Urlaub? Aber es starten noch ganz andere Sachen, Wochenenden zum Beispiel. Oder Konferenzen; bei Veranstaltungen mit mehreren Hundert Teilnehmern empfiehlt es sich, einen A380 zu chartern, sonst wird’s eng. Ich bin ja mal gespannt, wann der erste Zug startet, vom Gleis abhebt und in die Ferne fliegt. Vielleicht auf die Malediven? Ein Bad nehmen? Groß genug wäre der Indische Ozean.

Jüngst startete die x-te UN-Vollversammlung. Wann sie wohl wiederkommt? Und wann startet das nächste sprachwissenschaftliche Seminar der Fachschaft Germanistik an der Uni Tübingen? Na ja, für den Alltagsmenschen vielleicht nicht so wichtig, aber Anfang November startet die Schule wieder, das berührt viele Menschen. Ich muss mir noch ’ne Schule aussuchen, vorher ein Fernglas besorgen, um den Abflug aus sicherer Entfernung zu beobachten. Es könnte beim Starten ja der Keller verloren gehen. Da möchte ich nicht drunterstehen. Und so startet die Verödung der deutschen Sprache, nein, die ist schon gestartet. Da startet höchstens noch die Bruchlandung der einst reichhaltigen und goethesierenden . . . ähm . . . schillernden deutschen Sprache.

Es ist zum Mäusemelken. Nichts beginnt mehr, fängt an, wird auf den Weg gebracht, eröffnet, eingereicht, angeleiert, angeschoben. Da fährt keiner mehr los, Flugzeuge heben nicht mehr ab, ebenso wie Raketen. Es startet nur die Eintönigkeit des Startens. Leider ist die Starterei nicht das einzige Beispiel dafür, wie wir uns von unserer eigenen Sprache entfernen. Man denke nur an die zahllosen, oft frei erfundenen Anglizismen, bei denen Fremdschämen angesagt ist. Der schlimmste der letzten Jahre ist meines Erachtens der: „Coffe to go – jetzt auch zum mitnehmen.“ („Mitnehmen“ auch noch klein geschrieben).

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote. Bei einer Realschul-Abschlussklasse habe ich einmal eine linguistische Unterrichtseinheit gestartet . . . äh . . . eingeschoben. Dabei ging es um Sprachentwicklung, -geschichte und -veränderung, Wortabstammungen und so weiter. Es wurde auch der Einfluss des Englischen auf das Deutsche seit 1945 untersucht. Dabei meinte ich: „Wenn ich Engländer wäre und würde diese Plakate lesen, auf denen irgendwas in einem Englisch steht, das keins ist, käme ich aus dem Lachen wohl nicht mehr raus.“ Da lacht ein Schüler kurz auf (Vater Brite, Mutter Deutsche, Jahre in Kenia gelebt) und meint in breitem Schwäbisch: „Dia lached au. Wenn mer Bsuch aus England oder Kenia grieaged ond se läsed dia Blagaad, no welled ses iebersedse ond des gohd ed.“

Leserbriefe

Die Gutmenschen und die Bundesregierung

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