Leserbriefe

Wo bleibt der öffentliche Diskurs ?

05.05.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paul Michael Kaufmann, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Keine Geburtstagsfeier im Hölderlinhaus“ vom 21. April. Da ist zunächst der persönliche Bezug: Saßen wir doch im Hölderlinhaus unmittelbar nach dem Krieg zusammen mit den gerade angekommenen Flüchtlingsbuben zu dritt in der Schulbank. Doch alle Nürtinger geht dieses Gebäude an, das seit Hölderlins Tagen nicht nur bewegte Zeiten, sondern einen obsoleten Abrissbeschluss überstanden hat. Der Bericht beschreibt ein Trauerspiel. Es ist schon verwunderlich, wie die Stadt das Projekt angesichts des anstehenden Jubiläumsjahrs 2020 vor sich herschiebt. Wo bleibt der öffentliche, lokale Diskurs kulturell Interessierter, sich dieses Thema zu Eigen zu machen und zu trommeln, überparteilich und kooperativ, um dem Projekt Nachdruck zu verleihen, anstelle in allgemeiner Lethargie gegenüber kommunaler Entscheidungen zu verharren?

Eine Aufstockung ist städtebaulich schlichtweg nicht begründbar, allein aus nutzungstechnischen Überlegungen aber nicht zu rechtfertigen, zumal konstruktiv notwendige Zusatzmaßnahmen verteuernd wirken und die Bauzeit verlängern.

Für den Zeitpunkt, wann sich etwas bewegt, sollten nicht Zufälligkeiten von Bezuschussungstöpfen bestimmend sein. Immer wieder wird Bedeutung und Stellenwert Hölderlins angesichts des chronischen Geldmangels zwischen den Tagesaufgaben relativiert. Eine Verneigung vor dem großen Dichter unserer Stadt drückt sich aber auch in der rechtzeitigen Fertigstellung vor seinem Jubiläum aus, die mit gutem Willen auch jetzt noch möglich ist.

Hölderlins Jugendhaus, zugleich städtebauliche Ikone, hat es nicht verdient, monatelang zwischen Begriffen wie Stockwerkszahl, Machbarkeitsstudien und Sonderbezuschussung zerrieben zu werden. Als hätte es der große Genius in seinem Gedicht „Hälfte des Lebens“ vorausgeahnt: „Weh mir,  . . . die Mauern stehn sprachlos und kalt, im Winde klirren die Fahnen“.

Nicht Sprachlosigkeit, vielmehr Entscheidungsfreude, Tatkraft und Mut sind jetzt gefragt, um die Jubiläumsbesucher 2020 im neu sanierten Hölderlinhaus empfangen zu können.

Leserbriefe

Wir brauchen Parteien, die Mut machen

Patrik Müller, Beuren. Zum Artikel „Die DNA der früheren CDU“ vom 15. September. Frau Kosova kann man zu ihrer gelungenen Integration in Deutschland nur gratulieren. Ich kann allerdings überhaupt nicht nachvollziehen, wie sich eine aus Usbekistan stammende Frau mit jüdischen Wurzeln, die in…

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