Leserbriefe

Werkrealschule: Noch viele offene Fragen

09.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bernd Hess, Nürtingen. Nachdem der erste Termin, an dem die Schulträger eine Werkrealschule beantragen mussten, verstrichen ist, ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Aber nur eine scheinbare Ruhe, denn um die verunsicherten Eltern und Schüler hat sich noch niemand gekümmert. Was kommt ab dem Schuljahr 2010/2011 auf sie zu? Zuerst wurden in den Gemeinden politische Entscheidungen getroffen, die für viele Hauptschüler weitere Schulwege bedeuten. Bleibt zu hoffen, dass bis zum Start geklärt ist, welche Busse wann fahren und wer die Fahrtkosten trägt. Ebenso bleibt die Hoffnung, dass bis dahin nicht nur ausgearbeitete Bildungspläne vorhanden sind, sondern neben Schulbüchern auch weitergebildete Lehrer. Was ändert sich durch die Werkrealschule? Zuerst kann eine Schule als Werkrealschule beantragt werden, wenn sie ab Klasse fünf zweizügig ist. Es gäbe zwar Ausnahmen, aber die sind von fast keiner einzügigen Schule erfüllbar. Eine Hauptschule kann weiterhin eine einzügige Hauptschule bleiben, mit dem Nachteil, aus den Wahlpflichtbereichen, Natur und Technik, Wirtschaft und Informationstechnik, Gesundheit und Soziales, nur eines anbieten zu können. Auch diese Hauptschule erhält den gleichen Bildungsplan wie eine Werkrealschule.

Stellt sich die Frage: warum wurden dann Kooperationen geschlossen? Da außerhalb von Nürtingen keine gesicherten zweizügigen Hauptschulen bestehen, hielten es die Gemeinden für notwendig, Kooperationen zu schließen. Niemand weiß, wie sich die Schülerströme entwickeln werden, da es keine Schulbezirke mehr gibt für die Haupt- und Werkrealschulen. Diese können zwar beantragt werden, dazu ist aber auch der Elternbeirat zu hören und längstens für drei Jahre. Die Landesregierung geht davon aus, dass alle zukünftigen Schüler nicht mehr die zweijährige Berufsfachschule besuchen, um dort ihren mittleren Bildungsabschluss zu machen, sondern dies auf der Werkrealschule tun werden. Hierbei ist es wichtig, dass sich Eltern genauestens informieren, welcher Bildungsweg für ihr Kind der richtige ist.

Die zweijährige Berufsfachschule hat weiterhin Bestand und ihre Berechtigung. In Klasse 10 der Werkrealschule, die erstmals im Schuljahr 2012/2013 zum Abschluss führt, werden die Kinder an zwei Tagen in der Woche an einer Berufsschule unterrichtet. Starten wird die neue Werkrealschule mit Klasse 5 bis 8 im kommenden Schuljahr. Dass die neue Werkrealschule politisch nicht unumstritten ist, zeigten die vielen Diskussionen, die bis heute anhalten. Bereits 2007 meldeten sich Schulleiter mit Vorschlägen für ein längeres gemeinsames Lernen und eine bessere Förderung der Hauptschüler zu Wort. Die Landesregierung reagierte darauf mit der neuen Werkrealschule. Leider wurde dabei nicht mit denen gesprochen, die an den und für die Hauptschulen tätig sind, und den Eltern, deren Kinder die Schulen besuchen. Die Hauptschulen sterben nicht an den rückgängigen Schülerzahlen, sondern den Übergangsquoten an die Realschulen und Gymnasien. Ob dies zu einem besseren Bildungsstandard führt, wird „Pisa“ zeigen.

Leserbriefe

Gambia ist kein sicheres Herkunftsland

Sem Schade, Wendlingen. Zum Leserbrief „Einwanderer aus Afrika und Migrationspaket“ vom 6. Dezember. Herr Hummel hat das Gefühl, angelogen zu werden und ich würde hierfür gerne ein paar Anstöße setzen, da ich mich intensiv mit der politischen Lage in Gambia auseinandergesetzt habe.

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