Leserbriefe

Werden die Weichen richtig gestellt?

04.03.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Främke, Neckartailfingen. Zum Artikel „Stuttgart 21: Region bezahlt vier Weichen“ vom 25. Februar. 60 000 Weichen wurden seit der Bahn-Reform vor 20 Jahren zur „Modernisierung“ des Bahnverkehrs abgebaut, wie der hervorragende Verkehrswissenschaftler Professor Heiner Monheim bemängelt. In Stuttgart wird jetzt aber umgesteuert und wenigstens vier Weichen neu gestellt.

Im Vergleich zu den wohl zehn Milliarden Euro Gesamtkosten für S21 und dem 100 plus 20 Millionen „Partner-Anteil“ der Region sind die 2,5 Millionen Euro für die Weichen an der Station Mittnachtstraße eigentlich „Peanuts“ – aber diese vier Weichen sind die entscheidende  Voraussetzung  dafür,  dass S-Bahnen künftig überhaupt abbiegen können, sagt Jürgen Wurmthaler – regionaler Verkehrsdirektor. Damit wird eine weitere S21-Fehlplanung eingestanden und vielleicht beseitigt, aber es fehlt immer noch der Mut, endgültig die Weichen für einen Baustopp zu stellen und dann mehr als sechs Milliarden Euro zu sparen mit einem modernisierten Kopfbahnhof.

Laut einer aktuellen Umfrage fordern 63 Prozent der Menschen von den Verantwortlichen in der Politik und bei der Bahn, endlich ernsthaft die Alternativen zu diskutieren, die für den Umstieg 21 vorliegen und konstruktive Auswege aus der S21-Sackgasse zeigen. Mit dem S21-Baustopp werden die Weichen gestellt für das Nachdenken über die inzwischen fehlende S21-Legitimation.

Bahnchef Rüdiger Grube und der stets lächelnde Vize-Chef Volker Kefer haben S21-Weichen gestellt, indem sie den unlösbaren Problemen „aus-weichen“ und ein sehr komfortables „Gleis-Bett“ vorbereitet haben. Allerdings ereilt sie auch dort die Nürtinger Zeitung mit der weiteren Meldung: „Erneut Strafanzeige gegen ehemalige Bahnspitze“ von Thomas Wüpper – ein sehr ausführlicher und klarer Bericht über die Tat. Der Bahn-Aufsichtsrat hat eigene Weichen gefunden für das Aus-Weichen auf Nebengleise, wohin sie das S21-Thema ungelöst und anscheinend endlos verschieben können und nicht einmal die eigenen Gutachten lesen müssen – die mit der Wahrheit über 60 Kilometer Tunnel und Anhydrit et cetera. Ob der neue Bahnchef wohl endlich ein Bahn-Fachmann ist – oder doch nur ein Ronald Pofalla?

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