Leserbriefe

Wer inszeniert sich tatsächlich?

22.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Herbert Ruff, Oberboihingen. Zum Artikel „Die Guttenberg-Show“ vom 15. Dezember. Letztlich ist in unserer Medien-Demokratie alles Show. Auch der Leitartikel von Claudia Lepping, auf den ich mich beziehe. Der geplante Besuch des Papstes 2011 in Berlin wird so gesehen mit Sicherheit eine Super-Show. Soldaten freuen sich immer auf Besuch, vor allem bei Uno-Einsätzen im Ausland, besonders in Afghanistan. Wenn dazu noch der oberste Dienstherr vor allem mit seiner Frau die Soldaten besucht, umso besser. Die dort veranstaltete Talkshow mit Johannes B. Kerner war für die Soldaten bestimmt in ihrem ansonsten tristen Lagerleben sehr abwechslungsreich.

Die Redakteurin sollte sich jedoch im Klaren sein, dass auch sie Quote braucht, denn sonst kann sie ihre allzu offensichtlichen ehrgeizigen Karriereziele an den Nagel hängen. Jedenfalls hat J. B. Kerner im Feldlager der Bundeswehr bestimmt eine genauso interessierte Fangemeinde wie in Deutschland. Warum soll man den Soldaten seinen Auftritt nicht gönnen? Das Ganze noch mit dem sehr notwendigen Besuch unseres Bundespräsidenten und seiner Tochter in Israel zu vergleichen, halte ich für abwegig, denn Israel befindet sich leider auch im Krieg mit seinen Nachbarn und steht deshalb unter Dauerbeschuss, auch deutscher Medien. Nicht umsonst hat eine der bewundernswertesten deutschen Showstars, Marlene Dietrich, gerne Truppenbesuche gemacht, um den Soldaten ein wenig Freude zu bereiten. Man ist eben manchmal im Leben gezwungen, sich zu entscheiden, auf wessen Seite man steht.

Der Artikel lässt für mich kaum einen anderen Schluss zu. Minister Guttenberg und seine attraktive Frau sind unabhängig. Es sollten viel mehr finanziell unabhängige Frauen und Männer politisch tätig sein, die sich nicht um ehrgeiziger Karriereziele willen verbiegen lassen und sich deshalb auch nicht dem Zeitgeist, dem sogenannten Mainstream, anpassen müssen. Was die Leitartikelschreiberin angeht, scheint es der Fall zu sein, Artikel zu schreiben, die in erster Linie auf sie aufmerksam machen sollen, um so ihre Karriere zu befördern, auch mit unsachlichen Mitteln (Polit-Promi-Paar, Kriegsminister). Wenn sich in diesem Zusammenhang jemand inszeniert, dann die Autorin, sogar mit Foto.

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