Leserbriefe

Wer hat wem die Suppe eingebrockt?

03.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jürgen Groschupp, Großbettlingen. Zum Leserbrief „Protest: Und niemand will Suppe auslöffeln“ vom 26. November. Fabian Weible beklagt, wir würden im Protest „ersaufen“. Die Konsequenzen würden die Protestierenden gegen Stuttgart 21, die sogenannte Nürtinger Biogasanlage, Castortransporte und anderes „den Jungen“ auflasten. Nein, Herr Weible soll nicht die „Suppe auslöffeln“, die angeblich die Protestierenden eingebrockt haben. Vielmehr sollte er sich fragen, ob nicht bürgerferne und nach Gutsherrenart gedeckte Projekte die Zukunft belasten.

Vergangene Woche hörte ich den Beitrag „Demokratie in der Krise“ im SWR-2-Radio. Im Beitrag des Senders wird in den Raum gestellt, die Arroganz der (parteipolitischen) Macht sei bundesweit zu spüren. Dies sei der Grund für die „gefühlte Ohnmacht der Bürger“.

Offensichtlich angesehene Wissenschaftler werden angeführt, die eine stärkere Beteiligung – vor allem der Jungen – an Themenkritik, Demonstrationen und Einmischen als Ausweg aufzeigen. Ausweg nicht aus der (SWR-Demo-Zitat) „Politikverdrossenheit“, sondern der „Politikerverdrossenheit“. Ein Wissenschaftler bezeichnet in dem Beitrag den Abwärtstrend der Wahlbeteiligung als „dramatisch“. Unsere Demokratie habe sich selbst sinnentleert durch Ökonomisierung. Lobbyisten nähmen immer stärkeren Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit (allein 5000 in Berlin).

Ich denke, Herr Weible greift im Leserbrief die Falschen an. Oder möchte er behaupten, dass von den Projektbetreibern von Stuttgart 21 alle Fakten auf den Tisch gelegt wurden? Will er behaupten, dass zur Biogasanlage alle Fakten auf den Tisch gelegt und auch die kritischen Bürger offen und fair eingebunden wurden? Will er behaupten, dass alles geklärt ist, was mit dem Atommüll in den nächsten Jahrtausenden geschieht?

In Wien hat man mit einem großen Bahnhofsprojekt keine Probleme mit den Bürgern. Weil man sie frühzeitig eingebunden und über alle Fakten informiert hat.

Ich habe sehr wohl Verantwortungsbewusstsein für meine Kinder (sie sind in Herrn Weibles Alter), indem ich mich in Projekte einmische, von denen ich denke, dass meine Nachfolgegeneration die Suppe auslöffeln muss. Und nun frage ich: Wer hat hier wem eine Suppe eingebrockt?

Leserbriefe

Überhört Herr Grabitz kritische Stimmen?

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „EU droht Milliardenklage wegen Pflanzenschutzmittels“ vom 11. November. Der Journalist Markus Grabitz gewährt dem weltgrößten Glyphosat-Hersteller Monsanto auf Seite eins der Wochenendausgabe der Nürtinger Zeitung eine prominente Bühne und betreibt zudem deren…

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