Leserbriefe

Wenn Vorsorge, dann richtig und sinnvoll

05.09.2016, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Erwin Müller, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Genügend Jod vorrätig für mögliche Atomunfälle“ vom 31. August. In dem Artikel wird das Innenministerium zitiert: „In Baden-Württemberg befinden sich in der Umgebung kerntechnischer Einrichtungen und in verschiedenen Zentrallagern genügend Jodtabletten, um die gesamte Bevölkerung des Landes damit zu versorgen“. Sollte es zu einer Freisetzung von radioaktivem Jod kommen, seien bei den Kommunen die Tabletten vorrätig, heißt es weiter.

Es erhebt sich die Frage, auf welch wundersame Weise die Jodtabletten bei einer Freisetzung von radioaktivem Jod – sprich bei einem GAU – plötzlich von den verschiedenen Zentrallagern zu den Kommunen gelangen sollen, um dann auch noch an die Bevölkerung rechtzeitig zur Einnahme verteilt zu werden?

Eine schützende Wirkung der Jodtabletten gibt es nur bei Einnahme vor der radioaktiven Belastung! Die Jodtabletten müssen also vor Ankunft der radioaktiven Wolke eingenommen werden. Wie schnell sich diese ausbreitet hängt von den Wetterbedingungen ab, kann aber bei Wind sehr schnell gehen. Drei Stunden nach der radioaktiven Belastung beträgt die Schutzwirkung nur noch 50 Prozent, nach zehn Stunden 0 Prozent! (nach ippnw-ulm.de). Ippnw steht für Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs – Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.

Die Vorstellung, mit der Verteilung der Jodtabletten erst nach Eintritt eines GAU zu beginnen, ist somit absolut illusorisch. Zumindest müssten die Jodtabletten wenigstens bei den Kommunen gelagert werden – und dann ist es noch schwierig genug, sie rechtzeitig an die Bevölkerung zu verteilen. Beim jetzigen Stand der Dinge bleibt nur die Hoffnung, dass der Notfall nie eintreten wird. Aber wenn schon Vorsorge, dann richtig und sinnvoll.

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