Leserbriefe

Warum setzt man keine Hagelflieger ein?

22.08.2013, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Bohner, Frickenhausen-Linsenhofen. Kaum jemand in unserer Gegend denkt nicht mit Schrecken an die Superzelle vom 28. Juli zurück. Fast jeder ist mehr oder weniger davon betroffen. Die anfallenden Kosten sind derzeit noch unabsehbar. Besonders betroffen ist die Gemeinde Grafenberg. Als ich diese Woche durch den Ort fuhr, war ich sehr geschockt über das ganze Ausmaß der Zerstörung. Einige können auf unabsehbare Zeit nicht in ihre Häuser zurück. Viele Betroffene, Feuerwehren und THW arbeiteten bis zur Erschöpfung. Handwerksbetriebe wie Dachdecker, Zimmereibetriebe und andere Betriebe arbeiteten und arbeiten immer noch bis zu 16 Stunden am Tag, um notwendige Maßnahmen zu treffen.

Es gibt Betriebe, die verzichten auf Betriebsferien, um Häuser notdürftig zu versorgen und auszubessern. Leider ist es aber auch so, dass nicht allen sofort geholfen werden konnte, und einige nicht die Hilfe erhielten, die sofort und schnell notwendig gewesen wäre. Die Anzahl der zerstörten Gebäude ist einfach zu groß. Mein größter Respekt geht an alle ortsansässigen und auch ortsfernen Betriebe und ihre Mitarbeiter, die hier schnell und unbürokratisch Hilfe leisten.

Für mich stellt sich sofort die Frage, ob dies in diesem Ausmaß wirklich hätte passieren müssen. Dass Naturkatastrophen oftmals gar nicht oder nur schwer verhindert werden können ist mir klar, aber gerade bei Unwetter mit Hagel wäre dies nach meinem Kenntnisstand möglich gewesen. Die Impfung der Gewitterzellen mit Silberjodid hat sich mittlerweile bewährt. Hagelflieger werden losgeschickt um zum Beispiel Erntefelder oder Weinbaugebiete zu schützen. Wenn der Flugbetrieb der großen Fluggesellschaften und die Sicherheit der Passagiere sichergestellt werden soll, wird versucht Hagelschauer abzumildern oder zu verhindern. Bei „wichtigen“ Großereignissen werden Wolken gezielt abgeregnet um für die Veranstaltung schönes Wetter zu haben (zum Beispiel Olympische Spiele).

Diese Beispiele beweisen, dass es durchaus möglich ist, solchen Gefahren entgegenzuwirken. Ich jedenfalls würde mir wünschen, dass die Bevölkerung den gleichen Schutz erfahren dürfte wie ein paar Weinreben im Remstal. Bleibt zu hoffen, dass sich Versicherer und Landespolitiker Gedanken machen und für die Zukunft etwas aus diesem Ereignis lernen. Ich hoffe, dass den Herren als zukünftige Maßnahme mehr einfällt als nur eine Erhöhung der Versicherungsbeiträge. Der nächste Hagel kommt bestimmt, und wie ich im Radio hörte, ist in den kommenden Jahren zunehmend mit ähnlichen Extrembedingungen zu rechnen. Als besonders gefährdetes Gebiet gilt dabei Baden-Württemberg.

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