Leserbriefe

Warum lehnen Kirchen Gewalt nicht ab?

21.11.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ulrich Immendörfer, Frickenhausen-Linsenhofen. Zum Artikel „Irgendwann steigt die Seele aus“ vom 13. November. Vor dem Mut und vor dem Engagement Pfarrer Thiels habe ich allen Respekt. Was er im Interview mit Jürgen Gerrmann sagt, ist sehr wichtig, besonders die Sätze: „Durch Gewaltanwendung wird kein Frieden erreicht. . . . Durch Krieg löst man nicht das Problem der Menschen.“ Ich denke, durch sein Engagement versucht er, wenigstens das seelische Problem der Soldaten zu lösen. Diese aber sind nicht dazu nach Afghanistan gekommen, „um mitzuhelfen, dieses Land aufzubauen“, wie er meint. Soldaten sind dazu ausgebildet, Sachen zu zerstören und Menschen zu töten.

Um ein Land aufzubauen, dazu benötigt man andere Berufsgruppen. Die Entscheidung der Bundesregierung, den US-Amerikanern in ihrem Rachefeldzug in Afghanistan beizustehen, war ein großer Fehler. Jeder Soldat hat die Möglichkeit, da auszusteigen, gegebenenfalls den Kriegsdienst zu verweigern. Muss aber ein Mann der Kirche die Soldaten, die diesen Feldzug bejahen, durch sein Seelsorgeangebot bei einer solchen militärischen Mission unterstützen? Er weiß doch, dass durch diese kein Problem gelöst wird. Dient nicht die gesamte Militärseelsorge der Stabilisierung beziehungsweise der Kampfbereitschaft der Truppe? Gewiss, mancher Militärpfarrer sieht das anders. Aber man sollte über das Wort Dietrich Bonhoeffers nachdenken: „Wenn man in den falschen Zug einsteigt, kann man darin gegen die Fahrtrichtung laufen solange man will, man wird nie ans Ziel kommen.“

Warum tun sich unsere Kirchen so schwer, der Gewalt grundsätzlich abzuschwören? Warum verleugnen sie die Botschaft ihres Religionsstifters, der eindeutig die Gewalt ablehnt? Ich erwarte von einem Mann der Kirche, dass er nicht die Position eines Politikers einnimmt und politisch argumentiert. Ich erwarte von ihm, dass er den Friedenswillen und die Friedensbotschaft des Evangeliums von Jesus ohne Wenn und Aber vertritt. Pfarrer Thiel war Wehrdienstverweigerer. Bei seinem Zivildienst trug er Zivilkleidung. Jetzt aber trägt er die militärische Uniform der ISAF-Truppe.

Hat er versucht, die Soldaten, mit denen er zu tun hatte, zu überzeugen von der jesuanischen Art, Konflikte zu lösen? Er wäre so sein Amt als Militärpfarrer sehr schnell losgeworden. So jemanden könnte das Militär nicht gebrauchen!

Wir sollten uns als Christen der staatlichen Macht nicht anbiedern. Christliche Militärseelsorge ist ein Widerspruch in sich. Kann man dem Glauben an die Macht der Liebe dadurch Nachdruck verleihen, dass man die Macht der Waffen, die Soldaten eben, unterstützt?

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