Leserbriefe

Warum hört man nicht auf die Nürtinger?

29.09.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schmid, Nürtingen. Der Tag der Entscheidung rückt immer näher. Am 2. Oktober befindet der Gemeinderat über die Zukunft des Wörth-Areals: Bebauung bis fast an das Neckarufer oder nur einreihig entlang der Wörthstraße mit Freiflächen bis zum Ufer von Neckar und Steinach. Wie man hört, gibt es eine Mehrheit für die vollständige Bebauung, der Kosten wegen. Das wird aber von den Mitgliedern des Forums Wörth, unter ihnen anerkannte Fachleute, angezweifelt. Sie fordern eine einreihige Bebauung. Ihr Vorschlag ist weitaus kostengünstiger, als von der Verwaltung, ungeprüft, behauptet wird. Vor allem aber wird mit einer reduzierten Bebauung dem Wunsch vieler Nürtinger Bürger nach einer stadtnahen Erholungsfläche mit vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten und einem effektiveren Hochwasserschutz statt privilegierten Wohnens für wenige entsprochen.

Als interessierter Beobachter wundere und ärgere ich mich über das Vorgehen der Stadtverwaltung. Es gab drei Runde Tische mit Vertretern aus Verwaltung, Gemeinderat, Bürgerschaft, Forum Wörth sowie mit zwei von der Verwaltung bestellten und bezahlten Mediatoren. Interessante Planungsvorschläge, von Nürtinger Bürgern und einer Studentin der Fachrichtung Stadtplanung eingereicht, und alternative Kostenrechnungen wurden diskutiert. Nach langem Ringen konnte eine Kompromisslösung gefunden werden. Doch diese wurde nicht einmal dem Gemeinderat vorgelegt! Der Gedanke, die Runden Tische waren eine Art Alibiveranstaltung, um dem Ruf Nürtingens als bürgerfreundliche Stadt zu entsprechen, liegt nahe. So darf man auch die Aussage eines Stadtrates, übrigens Befürworter einer vollständigen Bebauung, verstehen, der in diesem Zusammenhang von „Verarsche“ sprach. Man könnte auch bewusste Irreführung oder vorsätzliche Täuschung sagen.

Ich frage mich auch, warum das Fachwissen der Professoren und Studenten der ortsansässigen Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Fachrichtung Landschaftsarchitektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung und Naturschutz, nicht nachgefragt wurde. Einem Interview in der Nürtinger Zeitung mit Professor Ruther-Mehlis konnte man entnehmen, dass genau das viele Nachbarstädte aktuell tun beziehungsweise getan haben – nur eben Nürtingen nicht. Viele Gemeinden und Städte an Neckar, Lauter, Fils, Rems und Nagold entdecken den hohen Freizeit- und Erholungswert ihrer Gewässer, indem sie die Ufer in vielfältiger Weise für die Einwohner zugänglich und erlebbar machen – aber nicht so in Nürtingen.

Mir drängt sich der Eindruck auf, dass eine vollständige Bebauung schon längst beschlossene Sache ist. Anders kann man es nicht verstehen, wenn Ergebnisse des Runden Tisches und gut durchdachte und recherchierte Einwände aus der Nürtinger Bürgerschaft ohne gründliche Prüfung abgeschmettert werden und der Wunsch vieler Nürtinger nach einer lebenswerteren Stadt einfach ignoriert wird.

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