Leserbriefe

Warum geht die Kirche einen Sonderweg?

03.12.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „July wirbt um Öffnung“ vom 29. November. Tiefe Enttäuschung, damit lässt sich die Reaktion innerhalb der kirchennahen LSBTTIQ-Community wohl am besten zusammenfassen. Der Entwurf eines „Kirchliches Gesetz zur Einführung einer Ordnung des Gottesdienstes anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechtes, der Begründung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft oder der Umwandlung einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe“ ist bei allem Respekt ein Schuss in den Ofen oder kommt mindestens zwei Jahre zu spät. Damals wäre die Evangelische Landeskirche in Württemberg unter den progressiven Landeskirchen innerhalb der EKD zu finden gewesen, nun ist sie leider das Schlusslicht und diskriminiert munter weiter!

Eine Verstetigung der Ungleichbehandlung von Gleichem ist auch das genannte Gesetz. Es sieht eine Segnung im Rahmen der Seelsorge und eben keine verbindliche Amtshandlung nach Paragraf 1 der kirchlichen Trauordnung vor! Paragraf 1 der „Ordnung der kirchlichen Trauung“ regelt das doch für alle Ehepaare mit dem Satz „es entspricht der Ordnung der Kirche, dass ihre Glieder, wenn sie eine Ehe eingehen, sich kirchlich trauen lassen.“ Seit dem 1. Oktober kennt das deutsche Recht nur noch Ehepaare, das abwertende Hilfskonstrukt der „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ ist auf dem Müllhaufen der Geschichte!

Warum dann also den Sonderweg? Dies lässt sich nur dadurch erklären, dass wir in unserer Landeskirche eine starke Fraktion konservativer Pietisten haben, die die Heilige Schrift dazu verwenden, Lesben und Schwule zu diskriminieren. Der Landesbischof ringt um die Einheit der Kirche und ist eher bereit den Kirchenschatz der engagierten Lesben und Schwulen im kirchlichen Ehren- und Hauptamt aus dem Fenster zu werfen! Eine einige Kirche in grauer Einfalt, statt bunter und gelebter Vielfalt. Schade!

Für mich als Kirchengemeinderätin ist klar, dass ich, am Tag an dem dieses diskriminierende Gesetz Rechtskraft erhalten sollte, die Tür zur Evangelischen Kirche in Württemberg endgültig verriegeln würde. Vermutlich bin ich nicht allein!

Leserbriefe

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